Geschichte

MV Augusta: die Geschichte einer italienischen Motorrad-Ikone

Von Tom | 31. März 2021


Als Luftfahrtunternehmen, das in den Motorradbau einstieg, hatte MV Agusta bereits bewiesen, dass der hauseigenen Innovationsfreude kaum Grenzen gesetzt waren. Seit der Gründung im Jahr 1945 hat MV Agusta unzählige faszinierende Motorräder produziert, die Fahrer auf der ganzen Welt begeistern und gleichzeitig einen unübertroffenen Meisterschaftsrekord erzielen. Eine Marke mit einer glanzvollen Geschichte und einer Anziehungskraft, die auch heute noch anhält, wie die Motorrad-Experten John Searle und Davide Marelli wissen.


Es ist schon seit vielen Jahren so: Motorradhersteller wissen, wie sie ihre Käufer beeindrucken können und schaffen das auch immer wieder. Eine Fähigkeit, die andere Industrien verzweifelt suchen. Harley-Davidson hat es geschafft, eine kultähnliche Anhängerschaft zu inspirieren, während Moto Guzzi die Motorradfahrerherzen mit einem emotionaleren Ansatz erobern konnte. Auch bei MV Agusta trifft das zu: eine Marke, die den Spagat zwischen Ästhetik, Beliebtheitheit und Leistung geschafft hat. 



Diese MV wurde 1958 von Stanley Hailwood, dem Vater von Mike 'The Bike' Hailwood, an den britischen Rennfahrer Chris Newport verkauft.

„MV Agusta (Meccanica Verghera) ist auch für seine sportlichen Erfolge bei Weltmeisterschaften bekannt“, erzählt Davide. „Im Grunde passend für einen innovativen Hersteller. Sie entwickelten den Reihen-Vierzylinder und waren einer der ersten Hersteller, die diesen Motortyp bei Rennen einsetzten- mit großem Erfolg.“ Diese Entwicklung war ein Geniestreich, sollte aber nicht die letzte Innovation bleiben, denn die das kreative Potenzial, das bis zu den Gründervätern der Marke zurückverfolgt werden kann, ist der rote Faden des Unternehmens. 


Die frühen Jahre


MV Agusta war die Idee des Grafen Domenico Agusta, eines italienischen Geschäftsmannes, der 1927 das Ruder des Luftfahrtunternehmens Agusta übernahm, nachdem sein Vater im selben Jahr verstarb. Während der Kriegsjahre produzierte Agusta weiterhin Flugzeuge für die italienischen Kriegseinsätze, doch die Verluste Italiens und das darauf folgende Verbot der Flugzeugproduktion brachten das Unternehmen in eine missliche Lage. Es stellte sich also die Frage: Was nun? 


Um relevant und wirtschaftlich zu bleiben, stellte Graf Domenico das Produktangebot des Unternehmens auf erschwingliche Transportmittel um. Und das bedeutete Motorräder. 



Die MV Agusta 98 Corsa - 1946. Bildquelle: Wikimedia Commons.


Die Firma gründete ihren Motorradzweig, bekannt als MV Agusta, und begann mit der Arbeit an einem einfachen 98-cm³-Zweitaktmotor für ein Leichtmotorrad. Graf Domenico war von dem Namen "Vespa" ("Wespe" auf Englisch) angetan, doch der befreundete Motorradhersteller Piaggio arbeitete zu dieser Zeit an seiner eigenen, recht bekannten Vespa. Das MV Agusta-Motorrad wurde stattdessen "MV 98" genannt und 1945 unter großem Beifall auf den Markt gebracht; das erste Motorrad, das mit dem später leicht erkennbaren geflügelten Logo von MV Agusta versehen wurde - eine subtile Anspielung auf die Wurzeln und die Geschichte des Unternehmens. 


Erfolge bei Rennen


Ausgelöst durch die Rennsport-Leidenschaft von Domenico und seinem Bruder, dauerte es nicht lange, bis MV Agusta sein eigenes Rennprogramm startete. Eines der ersten Rennmotorräder war ein Ableger der MV 98. Es waren jedoch die anderen Varianten der MV 98, die 125er und 250er Motorräder, mit denen das Unternehmen den Grundstein für echte Rennerfolge legte. 


1952 gewann der britische Rennfahrer Cecil Sandford die Isle of Man TT auf einer MV 125, und somit den ersten Weltmeisterschaftssieg für MV Agusta. Etwas später, ebenfalls 1952, brachte Leslie Graham die MV Agusta zu neuen Höhenflügen: er gewann den ersten 500er Grand Prix im italienischen Monza. Er besiegte seinen Rennfahrerkollegen Umberto Masetti und verärgerte dabei angeblich Masettis Motorradteam Gilera, das gegen MV Agustas Motorenzulassung protestiert hatte. 



Agostini (1) und Hailwood (63) im 500-cm³-Rennen 1969 in Riccione. Bildquelle: Wikimedia Commons.

„MV hat 75 Weltmeistertitel gewonnen - 38 Fahrer- und 37 Herstellersiege“, sagt Davide. „Damit ist MV Agusta die erfolgreichste europäische Rennsportmarke aller Zeiten. In der Tat ist Giacomo Agostini, ein 15-facher Weltmeister, der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten und der 15-fache Weltmeister Giacomo Agostini ist der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten, er gewann 13 Weltmeisterschaften auf einer MV Agusta.“ 


Hervorragende Motoren


Die glorreichen Tage der Marke waren die späten 1950er bis in die späten 1960er Jahre, aber eine neue Zeit brach an, in der MV Agusta wieder innovativ sein musste. Als Reaktion auf die sich ändernden Anforderungen und Wünsche der Kunden, weg von Motorrädern und hin zu Autos und sichereren Transportmitteln, brachte MV Agusta immer wieder neue Modelle auf den Markt, die die Autofahrer anlockten. Laut John waren einige von ihnen besonders erwähnenswert.



Die MV Agusta 600. Bildquelle: Wikimedia Commons.

„Einige der bemerkenswertesten Entwicklungen von MV Agusta fielen in diese Zeit, darunter die GP 4-Zylinder aus dem Jahr 1962, mit der Mike Hailwood seinen ersten 500-cm³-Weltmeistertitel holte, und die GP 3-Zylinder aus dem Jahr 1966, die Giacomo Agostini seinen ersten 500-cm³-Weltmeistertitel bescherte“, so John.


Auch technisch gab es bei MV Agusta wichtige Neuentwicklungen. „Die MV Agusta 600, die 1965 auf den Markt kam, war das erste moderne Superbike, das mit einem 4-Zylinder-Motor ausgestattet war- das ist also etwas Besonderes. Trotz ihres viel kritisierten Designs ist sie heute eines der begehrtesten Motorräder unter Sammlern. Ebenso schaffte es MV Agustas mit ihrem 6-Zylinder-Motorrad mit 350 cm³, die Honda 6C RC174 und den Yamaha-Zweitakter herauszufordern.“



Die MV Agusta 350 S. Bildquelle: Wikimedia Commons.

Auch nach dem Tod von Graf Domenico im Jahr 1971 konnte das Unternehmen bahnbrechenden Design-Entwicklungen vorantreiben. Während die MV Agusta 350 Ipotesi bei den Käufern nie so richtig ankam, fand ihr Design bei den anderen Herstellern durchaus Anklang. Während die meisten Motorräder auf runde und elliptische Formen setzten, war die 350 S geradlinig und scharfkantig.  Entworfen von dem einflussreichen Giorgetto Giugiaro, sollte das Motorrad das zukünftige Design der gesamten Branche für die nächsten Jahre beeinflussen.


Doch trotz der Erfolge und Innovationen auf der Rennstrecke folgte eine Zeit mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die dazu führte, dass MV Agusta die Motorradproduktion einstellte und seine Türen schloss. 


Liebling der Sammler


MV Agusta wurde in den frühen 90er Jahren von der Castiglioni-Gruppe wieder zum Leben erweckt, die Eigentümerschaft wechselte im Laufe der Jahre aber immer wieder- sogar Harley-Davidson war kurze Zeit vorübergehender Eigentümer. Unabhängig von diesen administrativen Umstrukturierungen: die Motorräder, vor allem die aus der Blütezeit von MV Agusta, sind nach wie vor beliebt und begehrt- bei Sammlern, Liebhabern, Rennfahrern und auch bei den Mitarbeitern des Unternehmens selbst.



Die MV Agusta CSS Racing 204 cm³ - 1954

„Erst vor Kurzem hatten wir ein Motorrad in der Auktion- ein perfektes Beispiel dafür“, erzählt John. „Dieses MV Agusta- Rennmotorrad wurde ursprünglich im Jahr 1954 von Stan Hailwood, dem Vater des berühmten mehrfachen Weltmeister-Rennfahrers Mike "The Bike" Hailwood, verkauft. Danach landete die MV in einer niederländischen Sammlung und wurde nun von einem Motorradsammler auf Catawiki angeboten. 


„Und wer hat das Höchstgebot abgegeben und den Zuschlag erhalten? Das war die Firma MV Agusta selbst- aus Liebe zur eigenen Geschichte wollten sie dieses Exemplar in ihr Museum aufnehmen! Das MV Agusta-Werk lud den niederländischen Verkäufer zu sich ein und dieser lieferte das Motorrad persönlich an das italienische Museum, wo die Maschine nun als Erinnerung an die frühen Motorräder steht, als Erinnerung an eine legendäre Motorradmarke.“ 


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