Leitfäden und Ratschläge

Vintage Wein verstehen: Warum lohnen sich Investitionen in bestimmte Weine?

Von Tom | 24. März 2021


Angehende Wein-Sammler sind bestimmt schon über diesen Begriff gestolpert: vintage. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Unser Experte für Weine, Daniel Elswood, erklärt, was es damit auf sich hat und was diese Weine besonders macht.


Was ist ein vintage Wein?

 

Das Wort „vintage“ bezieht sich auf das Jahr, in dem ein Wein hergestellt wurde. Um als vintage Wein, also Jahrgangswein, gekennzeichnet zu werden, dürfen für diesen Wein wirklich nur Trauben aus dem spezifischen Erntejahr verwendet werden. Im Gegensatz dazu gibt es z.B. non-vintage Champagner (auf den Flaschen findet sich dann der Zusatz NV für non-vintage), die aus Verschnitten mehrerer Jahrgänge bestehen. Viele Champagnermarken mischen verschiedene Jahrgänge miteinander, um ihren bekannten charakteristischen Geschmack konstant anbieten zu können, wohingegen Jahrgangschampagner auf den speziellen Geschmack der jeweiligen Lese setzen. Das ist der Grund, weshalb Jahrgangschampagner und Portweine zumeist nur in bestimmten, besonders guten Jahren hergestellt werden. 



Der Begriff „vintage“ bezieht sich schlicht auf das Jahr der Traubenlese.

Was macht eine vintage Flasche so besonders?

 

Selbst wenn verschiedene Jahrgangsweine vom selben Weinberg stammen, ist das Ergebnis immer ein anderes: von nur leicht schmeckbaren Nuancen bis zu einem komplett anderen Aroma. Einige Weine sind so gemacht, dass sie frisch und jung verzehrt werden können. Das ist zumeist bei den New World Sauvignon Blancs der Fall. Gerade nach diesen aktuelleren Jahrgängen sollte man Ausschau halten. Übrigens: New World bezeichnet Weine und Anbaugebiete, die keine lange Geschichte der Weinproduktion haben - im Gegensatz zu den lang dokumentierten Weinhistorien der Old World-Weine. 

Bei vielen Rotweinen ist es so, dass sie im Laufe der Zeit nachreifen, je nach Ausgangsernte und Weinart werden sie dann noch komplexer, geschmeidiger und runder im Geschmack. Und da diese Flaschen - abhängig vom Ertrag - nur begrenzt angeboten werden, steigt der Preis hier zwangsläufig. 

Welche Faktoren bestimmen den Preis von Jahrgangsweinen und -champagnern?



Der Jahrgang kann einen großen Einfluss auf die Preisentwicklung haben. Wenn die Wachstumsbedingungen perfekt sind und die Trauben zu sehr, sehr guten Weinen werden, gibt es eine hohe Nachfrage. Das ist natürlich auch gut für die Reputation. Herausragende Weine bekommen oft gute Kritiken, reifen besonders gut und eignen sich hervorragend als Investitionsobjekt. 



In der Weinwelt bedeutet eine gute Ernte nicht ein volles Lager, sondern dass die Tropfen besonders wertvoll sind.

Aber auch eine exzellente Saison muss nicht unbedingt zu Höchstpreisen führen. In durchschnittlichen Jahren können immer noch sehr gute Weine hergestellt werden, aber in viel kleineren Mengen. Ein Umstand, der sich direkt auf den Markt auswirkt und durch das geringere Angebot zu höheren Preisen führt.


Gibt es signifikante Geschmacksunterschiede bei einer sehr alten und einer neuen Flasche?

 

Mit einem Wort: Ja. Wein lebt und entwickelt sich weiter, auch wenn er in Flaschen abgefüllt ist. Es ist unvermeidbar, dass der Wein über den Korken mit Sauerstoff in Kontakt tritt und der Wein weiter reift. Weine, die lange gelagert werden können, entwickeln sich über viele Jahrzehnte hinweg und gehen typischerweise von frischen, jugendlichen Primärfruchtaromen zu reiferen und schmackhafteren Noten über, wobei die Frucht subtiler und ausgeprägter wird. Während dieses Alterungsprozesses verändert sich auch die Textur, da die Phenole im Wein reagieren. Dazu gehören vor allem die Tannine (Farb- und Gerbstoffe), die mit der Zeit weicher werden, sich über einen langen Zeitraum abbauen und als Sediment am Boden der Flasche ablagern. Typischerweise nehmen gealterte Weißweine eine öligere und zähflüssigere Textur an, während Rotweine ein weicheres Mundgefühl entwickeln. 



Während gealterte Weißweine öligere und zähflüssigere Texturen annehmen, entwickeln Rotweine ein weicheres Mundgefühl.


Die Menge an Alkohol und Zucker, die anfangs in einem Wein enthalten ist, hat ebenfalls einen großen Einfluss darauf, wie gut ein Wein altert. Einige Sauternes haben zum Beispiel einen sehr hohen Restzuckergehalt und können dadurch weit über hundert Jahre alt werden. Madeiras haben einen höheren Alkoholgehalt und halten sogar noch länger durch: sie können mehrere hundert Jahre alt werden.


Was macht ein „gutes Jahr" für die Weinlese aus?

 

Das hängt wirklich stark davon ab, wo ein Wein hergestellt wird. Im Allgemeinen dreht sich alles um möglichst viele Sonnenstunden, regelmäßige, aber nicht übermäßige Niederschläge und gute Bedingungen während der eigentlichen Ernte. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle, wie z.B. die Bewirtschaftung der Weinberge und die Möglichkeit, die Früchte von Hand zu selektieren, usw. Ab diesem Punkt hängt alles von den Entscheidungen des Winzers ab und welche Tropfen er in den kommenden Jahren zusammenstellt.


Gibt es Tropfen, die sich als besonders gute Investition herausgestellt haben? Ein spezieller Jahrgang oder Hersteller?


Auch hier sind die Einflussfaktoren wieder zahlreich. Was man sagen kann ist, dass 1982, 2000, 2005, 2009, 2010 und 2016 in Bordeaux sehr gute Erntejahre waren und die produzierten Weine im Allgemeinen von sehr hoher Qualität. Viele davon werden über viele Jahre hinweg reifen können und haben somit ein sehr hohes Wertsteigerungspotential. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Jahrgang 2008 aus der Champagne, der für einige Winzer mittel- bis langfristig eine hervorragende Rendite verspricht. 



Wenn Sie noch einen Champagner aus 2008 im Schrank stehen haben, dann wird er wahrscheinlich einen außergewöhnlichem Wert und Geschmack haben.

Was sind einige der ältesten Jahrgänge, die es gibt?


Das Alterungspotential ist, wie schon erwähnt, abhängig von der eigentlichen Ernte, aber auch vom Weinstil. Bei Catawiki haben wir mehrere Flaschen Chateau D'Yquem versteigert, die bis in die 1890er Jahre zurückgingen. Zudem hatten wir einen der sehr seltenen 1821er Klein Constania, Vin de Constance. Dieser ist nicht nur wegen seines Alters erstaunlich, sondern war auch einer der Favoriten Napoleons während seiner Gefangenschaft auf der Insel St. Helena. 


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