Branchentrends

Gedanken aus der Kunst-Community: was passiert mit der Kunst im Online-Bereich?

Von Tom | 18. März 2021


Galerien und Kunstmessen verlagern ihren Schwerpunkt und finden primär online statt, so dass sich viele Akteure der Branche gerade dieselbe Frage stellen: und jetzt? Für einige Künstler und Galerien war die Umstellung von offline auf online leicht, für andere ist es noch immer eine ungewohnte Veränderung. Wir haben mit drei Menschen aus der Kunstszene über die sich so schnell verändernde Kunstlandschaft gesprochen und was das für die Zukunft bedeutet.


Artfever


Wer ist das?


Nach 10 Jahren Erfahrung im Kunstmarkt, ging die Artfever Galerie Ende 2010 an den Start. Zunächst als Privatsammler, dann als Gelegenheitsverkäufer, zuletzt als Vermittler für traditionelle Galerien.


Warum sind Sie zum Online-Handel übergegangen?


Wir haben schon mit vielen Fachleuten auf dem Markt zusammengearbeitet, beraten und uns die digitale Technik schon immer zu Nutze gemacht. Dadurch konnten wir Kunstwerke zurück ins Gespräch bringen, die ungenutzt in den Beständen von Galerien geblieben sind. Die Gründe dafür sind vielfältig: aus Zeitmangel, Platzmangel oder weil sie ihr gewöhnliches Einzugsgebiet von Interessenten ausgeschöpft hatten, blieben einige Schätze in den Lagern liegen. Der Online-Verkauf ist da ein hervorragendes Instrument, genau diese Stücke wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Sammler und Interessenten aus aller Welt haben jetzt leichten Zugriff darauf. 




Im Online-Bereich aktiv zu sein, bedeutet für uns, dass wir die Arbeiten von Künstlern, die wir verfolgen, auch wirklich präsentieren können. Zum Beispiel vor ein paar Jahren- wir begannen, uns für den Maler vom Montmartre, Elisée Maclet, zu interessieren und stellten regelmäßig seine Bilder aus. Der Markt hatte ihn schon fast vollständig vergessen. Jetzt aber erlebt dieser Maler, ein Freund von Gen Paul und Maurice Utrillo, ein neu entdecktes großes Interesse unter immer mehr Amateuren, und wir möchten meinen, dass wir zu dieser Wiederentdeckung beigetragen haben.


Was sind für Sie die wichtigsten Vorteile des Online-Verkaufs?


Reaktivierung! Indem man Kunst online stellt, sind die Werke nicht nur für die Kenner, sondern für alle Menschen im Internet sofort verfügbar. Alle sind potenzielle Kunstkäufer. Die Menschen werden jetzt Dinge entdecken, die sie sonst nicht entdeckt hätten, einfach dank eines Schlüsselworts, einer verwandten Suche oder abgeleitet von einem anderen Kunstwerk.


Online zu arbeiten bedeutet auch, Informationen sofort anbieten zu können. Es gibt eine Frage? Die Antwort kann man dem Kunden schnell und unvermittelt geben. Und ist ein Verkauf unter Dach und Fach, muss nicht bis zum Ende der Ausstellung gewartet werden, um das Werk zu liefern zu können: Innerhalb weniger Tage kommt es beim Kunden zu Hause an.


Wie stellen Sie sich die Zukunft des Kunstmarktes vor? 


Galerien werden weiterhin zeitgenössische Künstler fördern, haben aber nicht mehr die Exklusivrechte: Die Künstler können Ihre Werke direkt an Interessenten oder über Influencer und große Plattformen verbreiten. Dieser direkte Kontakt mit den Käufern ermöglicht den Künstlern auch ein schnelles und interessantes Feedback zu den aktuellen Trends, man kann sich austauschen und hat viele Möglichkeiten, neue Projekte zu starten.

Shepard Fairey verkauft seine limitierten Auflagen in nur wenigen Sekunden, Orlinski organisiert eine Verlosung, um auf die Weise die Glücklichen auszuwählen, die seine Skulpturen dann kaufen dürfen. Im kleineren Rahmen können Künstler ihre Erstauflagen über Crowdfunding-Aktionen finanzieren. 




Galerien und Auktionshäuser werden weiterhin ihr Gespür und ihre Expertise einbringen. Online-Marktplätze, mit ihren jeweiligen Besonderheiten, werden ebenfalls weiterhin ihre schlagkräftigen Argumente ins Spiel bringen: das sind Menschen mit Fachwissen, technischen Lösungen, Marketingmitteln und Kundenservice. Galerien wie unsere können einen größeren Kundenkreis erreichen und die Menschen können Kunstwerke auf einem Preisniveau erstehen, das vor einigen Jahren wahrscheinlich noch niemand für möglich gehalten hätte.


Pure Evil Galerie


Wer ist das?


Pure Evil ist eine Galerie aus London, die sich auf eine Reihe von Mixed Media, Street Art, Handarbeit und Plexiglas-Kunst spezialisiert hat. Sie wird von mir betrieben- ich bin Charles, ein Street-Artist, „zufälliger Galerist" und Musiker.


Warum sind Sie zum Online-Handel übergegangen?


Schon seit dem Abitur kenne ich mich ganz gut mit Computern aus. Also war es für mich einfach logisch, schon sehr früh auf die Weise ein großes Publikum online zu erreichen. Und das gilt gerade für die Zeit während einer Pandemie, in der die Leute mehr Zeit bei Zoom und überhaupt online verbringen. Seit Kurzem halte ich Vorträge und spreche über die Kultur von Thumbnails- sehr aktuell, das wir derzeit alle diese Vorschaubildchen auf unseren Handys und anderen Geräten entdecken. Das passiert alles elektronisch. Wir sind momentan eher 76x76 Pixel große Thumbnails gewohnt und nicht unsere Lieblingskunst in voller Größe im Louvre.




Was sind für Sie die wichtigsten Vorteile des Online-Handels?


Sogar in der Galerie haben wir festgestellt, dass die Online-Verkäufe in letzter Zeit regelrecht durch die Decke gegangen sind. Jeder kauft Kunst für sein „Zoom-Zimmer“- jetzt, wo alle zu Hause festsitzen. Die Leute suchen nach einem Gefühl der Euphorie, und die bekommt man, wenn man Kunst kauft, wenn sie dann ankommt, man sie öffnet und sich überlegt, wo man sie aufhängen kann.


Wie stellen Sie sich die Zukunft des Kunstmarktes vor? 


Vielleicht wird es die traditionelle physische Kunst einfach nicht mehr geben; vielleicht wird sie auch mit unserem Gehirn zusammengeschaltet, so dass wir Kunst als neuronale Botschaft erleben, die unsere Augen komplett umgeht und direkt in unser Gehirn und unsere Synapsen geht? Ich mach nur Spaß. Scherz beiseite: lasst uns echte Kunst machen. Die Menschen werden die physische Kunst weiterhin zu schätzen wissen - Arbeiten, die man in der Hand halten kann und bei denen man die Textur erleben kann. Natürlich könnte die Sache mit dem Gehirn auch möglich sein. Würden Sie lieber einen Van Gogh besitzen oder ein JPEG davon?


Art Dumay


Wer ist das?


Art Dumay ist ein traditionsreicher Kunsthändler in Nuenen (gegründet im Jahr 2000). Wir agieren als Vermittler für Online-Handel. Seit 2015 verkaufen wir Kunstobjekte weltweit online über Catawiki. Das alles machen wir nicht nur im Auftrag von Privatpersonen, sondern auch für Sammler, Unternehmen und Vereine.



Alfred de Breanski (1852-1928) - Early Morning


Warum haben Sie diesen Übergang zum Online-Verkauf unternommen?


Nach vielen Jahren des Offline-Handels bemerkten wir, dass sich die Kunstwelt veränderte- das war vor allem in den Jahren 2014 und 2015. Es war ein allgemeiner Trend in der ganzen Welt: die Online-Geschäfte wurden stetig mehr und das ist natürlich auch uns aufgefallen. Die Kunstwelt digitalisiert sich seit Jahren und das Coronavirus zwang dann schlussendlich die Kunstliebhaber, ihre Kunst online zu kaufen. Die Kunstwelt machte einen riesigen Sprung in den digitalen Bereich, und wir wollten ein Teil davon sein. Darum wandelt sich das Unternehmen von einem Offline-Kunsthandel zu einem Online-Kunsthandel. Wir glauben an die neue Welt der Kunst.


Was sind für Sie die wichtigsten Vorteile des Online-Handels?


Der größte Vorteil beim Online-Verkaufen: man kann die richtige Person für das richtige Kunstwerk finden. Mit mehr als 16 Millionen Besuchern pro Monat bietet Catawiki uns eine Plattform, die für Menschen auf der ganzen Welt einfach zugänglich ist- und das rund um die Uhr. Wir ergänzen dieses Paket noch mit unserer Dienstleitung: höchste Servicequalität, schnelle Verarbeitung des Versands in alle Welt und ein gezieltes Marketing. So können wir neue Kunden erreichen.




Wie stellen Sie sich die Zukunft des Kunstmarktes vor? 


Was früher als unangebracht galt, wird jetzt zur Diskussion gestellt: Unternehmen entrümpeln nahezu alles und das ist für firmeneigenen Sammlungen nicht unwichtig. Durch den Verkauf von Objekten können Neuanschaffungen getätigt werden, und der Verkauf ermöglicht die Aufarbeitung und Präsentation bestehender Sammlungen.


Nicht nur die Digitalisierung hat zugenommen, sondern auch der Wunsch von Kunstsammlern, Unternehmen, Behörden und Organisationen, den eigenen Bestand aufzuräumen und sich auf andere Kunst zu konzentrieren. Es gibt also einen Teufelskreis aus „Entrümpeln“ und Sammeln. Mit einer internationalen Online-Plattform wie Catawiki, können all diese Bedürfnisse perfekt gestillt werden. 


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