Geschichte

Eine kurze Geschichte der Kunst: von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart

Von Tom | 4. Dezember 2020


Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Welt eine andere. Gleiches gilt auch für die Kunst, denn die Nachkriegslandschaft wirkte sich massiv auf die Künstler und ihre Einflüsse aus. In dieser Zeit entstanden eine Reihe von Kunstbewegungen, die wir heute als tragende Säulen der Szene betrachten. Wir baten die Experten für moderne und zeitgenössische Kunst Sophie Clauwaert und Ard Doko, uns durch die wichtigsten Stile der Nachkriegszeit zu führen.


1945 -1970 - Kunst der Nachkriegszeit


Die Nachkriegskunst stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und vor Aufkommen der zeitgenössischen Kunst. Dabei ist diese Periode nicht durch einen besonderen Stil gekennzeichnet, sondern generell durch die außergewöhnlichen Umstände, die damals herrschten. In dieser Periode traten einige verschiedene Stile in den Vordergrund und das Spannende daran: durch die globalen Auswirkungen hatten Künstler auf der ganzen Welt einen ähnlichen Einfluss.


„Die Arbeit der damaligen Künstler zielte vor allem darauf ab, die eigene Identität wieder herzustellen und das Trauma des Krieges und den Ausbruch des Kalten Krieges zu bewältigen", sagt Sophie. „Da Amerika relativ unbeschadet aus dem Zweiten Weltkrieg heraus kam, entwickelte sich New York langsam zum Zentrum künstlerischer Aktivitäten und löste Paris als Mittelpunkt der internationalen Kunstwelt ab. Die Wirtschaft befand sich im Aufschwung und viele Künstler wanderten aus, sodass sich dort eine von der europäischen Avantgarde inspirierten Künstlerpopulation entwickelte“.



Liu Ye - Dreaming Boy


In gewisser Weise war die Kunst für Europa ein Mittel, sich in einer neuen Welt zu orientieren, was unweigerlich neue Kunststile hervorbrachte. „In dieser Zeit entstanden auf dem europäischen Kontinent eine Vielzahl von Bewegungen - darunter Tachismus, Pop Art, Fluxus und Arte Povera -, die von internationalen Entwicklungen, insbesondere in den Vereinigten Staaten und Japan, beeinflusst wurden. In Amerika entstand in den 1950er Jahren der abstrakte Expressionismus, gefolgt vom Aufstieg des Neo-Dadaismus, der Pop-Art, des Minimalismus und der Konzeptkunst, sowie weiteren Bewegungen".


Die Pop-Art war eine der prominentesten Bewegungen der damaligen Zeit, in deren Mittelpunkt die Umwandlung der Populärkultur zur bildenden Kunst stand. Sie war eine Abkehr von der wahrgenommenen Pracht und dem Prunk der klassischen Kunst und ihrer Themen und konzentrierte sich stattdessen auf den Durchschnittsbürger. Sie bewegte sich auf einem schmalen Grad zwischen Kulturkritik und kapitalistischer Befürwortung, und überließ die Interpretation, unter Hinzunahme der neuen Medien (Werbung, Karikaturen), dem Betrachter. 



Bei so vielen Stilen in einer so relativ kurzen Zeitspanne, erklärt Sophie, muss man sich die Werke einer Vielzahl von Künstlern anschauen, um die Bandbreite des künstlerischen Schaffens wirklich einschätzen zu können. „Um ein Gefühl für die Kunst der Nachkriegszeit im Großen und Ganzen zu bekommen, sollte der Blick von einem tachistischen Druck von Serge Poliakoff (1900-1969) bis hin zu den abstrakt-minimalistischen Gemälden des Walter Darby Bannard (1934-2016) reichen". 


„Ein großartiges Beispiel für Pop-Art ist „Two palettes for S. Xmas 1963“ von Jim Dine, der zu den berühmtesten Vertretern der amerikanischen Pop-Art gehört. Seine Reputation baute er sich in den 1960er Jahren durch seine geistreich-inkongruenten Bilder von Werkzeugen, Kleidern und anderen Gebrauchs- und Haushaltsgegenständen auf. Dieses Aquarell ist ein brillanter Stellvertreter seines Gesamtwerks. Aber auch die späten Werke Picassos (1881-1973), Chagalls (1887-1985) und Miros (1893-1983) sollten wir auf keinen Fall vergessen und sind unter ambitionierten Sammlern heißbegehrt".


1960er-70er Jahre - Minimalismus und Konzeptkunst


Wenn die Pop-Art und Nachkriegskunst ein Spiegelbild der gelebten Realität waren, dann waren Minimalismus und Konzeptkunst das genaue Gegenteil. „Ich glaube, dass beide Bewegungen eine Gegenreaktion auf die figurativen Arbeiten waren, die in der Kunstwelt allgemein akzeptiert sind. Der Minimalismus hat seine Wurzeln in den frühen russischen Bewegungen Konstruktivismus und Suprematismus. Der Begriff Konzeptkunst entstand in den frühen 60er Jahren und wir können ihn klar als eine Bewegung aus den späten 60er Jahren definieren. Beide Stile entwickelten sich also in den 60er und 70er Jahren parallel".




Neben dem, was beide Stile offensichtlich auszeichnet, gibt es subtile Unterschiede, erklärt Ard. „Ich würde sagen, dass sich der Minimalismus mehr auf den Gegenstand und die Form fokussiert und in gewisser Weise eine übertriebene Form der abstrakten Kunst darstellt. Der Einsatz geometrischer Formen könnte auf Malewitsch und den Suprematismus zurückgeführt werden. Für die Konzeptkunst sind die Idee und die Geschichte wichtiger als das Objekt selbst. In beiden Fällen sind beide Bewegungen stark auf Kontext und Präsentation angewiesen. Ein gutes Beispiel für einen minimalistischen Künstler ist Frank Stella", fährt Ard fort, „der für seinen minimalistischen Stil und seine geometrischen Formen bekannt ist, oft in leuchtenden Farben gehalten". 

In den späten 60er und 70er Jahren stand ein gesellschaftlicher Generationswechsel bevor und die Kunst spiegelte den raschen Wandel dieser Zeit wider. Das ist es, was sowohl den Minimalismus als auch die Konzeptkunst so populär machte, sagt Ard. „Ich glaube, jede erfolgreiche Bewegung der Kunstgeschichte war eine Gegenreaktion auf einen bestimmten gesellschaftlichen Status Quo. Ob dies nun der Minimalismus ist oder die spätere Graffiti/ Street-Art, sie alle haben gemeinsam, dass sie neu und aufregend sind".


1970 - bis heute - zeitgenössische Kunst


Die wohl innovativste und dauerhafteste Bewegung ist die zeitgenössische Kunst. Sie ist zukunftsweisend, beschreibt die Kunst der Gegenwart und natürlich ist unser Verständnis davon, was zeitgenössisch ist, in permanentem Wandel. Auf jeden Fall ist sie die Kunst, mit der die meisten von uns gut vertraut sind. Ob es sich dabei um die gepunkteten Kürbisse von Yayoi Kusama oder die skelettartige Faszination von „Spider" von Louise Bourgeois handelt. Im Kern dreht es sich immer um das Neue. 



Fernandez Arman – Empreintes de violons

In einer vernetzten und voll informierten Welt verliert die Kunst des Malens in der zeitgenössischen Kunst an Bedeutung. Das ist einer der Gründe dafür, dass ein Großteil der zeitgenössischen Kunst den Künstler betrachtet und die Kunst Ausdruck des Künstlers Selbst ist. Gemeinsame Themen sind dabei Kultur, Politik, Technologie, Umwelt und Globalisierung, die Liste ist jedoch mehr ein Ausgangspunkt als ein Leitbild. 


Es ist nicht leicht, diese Bewegung klar zu umreißen, ein Merkmal der zeitgenössischen Kunst bleibt aber immer gleich – sie ist neu und überraschend. „Die Sinne des Publikums werden von etwas gekitzelt, was es zuvor nicht gab und das ist die Kraft der zeitgenössischen Kunst". 


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