Geschichte

Pele: der Mann hinter dem Wunder

Von Tom | 23. Oktober 2020


Egal ob man nun Fußballfan ist oder nicht: den Namen Pelé hat jeder schon gehört. Von vielen als größter Spieler aller Zeiten gefeiert, hat er mit seinen Tricks, seinem Talent als Spielmacher und natürlich seinen vielen Toren Menschen auf der ganzen Welt begeistert. In seiner Heimat aber ist er mehr als nur das: Pelé ist ein brasilianischer Nationalheld - wenn auch ein fehlbarer - und ein einflussreicher Aktivist gegen soziale Ungerechtigkeiten. Mithilfe unseres Sportexperten Gustavo Radesca haben wir einmal genauer hingesehen: auf den Mann hinter dem Wunder. 


Wir schreiben den 7. Juli 1957: ein 16-Jähriger läuft auf‘s Spielfeld und gibt sein Debüt in der Nationalmannschaft. Brasilien gegen Argentinien verspricht immer eine spannende und nervenaufreibende Partie zu werden, bei der beide Seiten- typisch Derby - hochkonzentriert sind. Aber mit Pelé hatte keiner gerechnet: Direkt in seinem ersten Spiel erzielt er ein Tor für sein Land und wird damit zum jüngsten Torschützen der brasilianischen Nationalmannschaft. Zwar geht das Spiel letztendlich mit 1:2 verloren, aber niemand ist so richtig enttäuscht, denn jetzt ist Pelé da! 


„Viele Menschen sehen Pelé als den größten Fußballer aller Zeiten”, sagt Gustavo. „Sein Markenzeichen, das Dribbling, sein Weitblick und seine kraftvolle Spielweise machten ihn direkt bei seiner ersten WM im Jahr 1958 weltweit bekannt. Aber seine Person stand für mehr als nur großes Talent: Er war ein schwarzer Junge aus armen Verhältnissen und wurde zum Helden einer ganzen Generation, für die in einem von Rassismus gebeutelten Land eine Identifikationsfigur dringend notwendig war.” 


Der Fußballheld


Pelés Fußballkarriere beginnt auf einem kleinen Hinterhof-Bolzplatz. Schon dort wollte ihn jeder in der Mannschaft haben und auf Vereinsebene war es nicht anders. Es spricht sich rum, wenn einer was am Ball kann. 1956: erstes Spiel für FC Santos. Ein Jahr später: Torschützenkönig. Weltweites Fußballidol: Von dem Moment an, als er sich zum ersten Mal das Trikot der Seleção überzog!


„Pelé gewann drei von vier Weltmeisterschaften, an denen er teilnahm, und war bei der WM 1958 mit seinem Hattrick gegen Frankreich der jüngste Torschützenkönig", erzählt Gustavo. „Und dass er im Laufe seiner Karriere durchschnittlich 1.279 Tore in 1.363 Spielen erzielte, macht ihn einzigartig. Im Grunde hat dieser Mann in jedem Spiel ein Tor geschossen".



Pelé war Symbol der Gefühlslage der brasilianischen Fans und ihrer Affinität zum Fußball. Bildquelle: Wikimedia Commons.

Das Turnier endete mit einem Sieg gegen Schweden im Finale und Pelé erzielte eines der schönsten Tore: im Strafraum lupfte er den Ball über einen Verteidiger und versenkte ihn mit einem sauberen Volleyschuss ins linke Eck. Der Schwede Sigvard Parling erinnerte sich später an Pelés zweites Tor zum Endstand 2:5 für Brasilien: „Mir war fast nach Applaus zumute“. Nach Spielende fiel Pelé ohnmächtig auf den Rasen, doch feierte direkt danach unter Freudentränen mit seinem Team den WM-Sieg. Bis heute ein Highlight seiner Karriere. 


„Drei Weltmeisterschaften zu gewinnen, ist ganz sicher sein größter Triumph”, sagt Gustavo. „Aber es gibt so viele unglaubliche Dinge: sein Rekord, ein Tor pro Spiel, steht sogar im Guiness-Buch. Und er brachte die Freude am Fußball zurück in ein Land, das sich noch vom „Maracanazo", der Weltmeisterschaft 1950 (Brasiliens traumatische Niederlage gegen Uruguay), und der Niederlage gegen Ungarn 1954 erholte. Und als er 1975 aus dem Ruhestand zurückkam und beim Team New York Cosmos unterzeichnete, war er es, der den Fußball sogar in den USA beliebt machte”. 


Der Veränderer


Pelé hat auf dem Fußballplatz angefangen, aber die Arbeit abseits des Platzes war es, die seine Persönlichkeit komplettierte. Ein Teil davon lässt sich in seiner Kindheit finden. Er wuchs in Bauru, Sao Paulo, in völliger Armut auf. Es gab nicht viel, doch da war der Fußball. Sein Vater brachte ihm alles bei, aber einen richtigen Ball konnten sie sich nicht leisten und so trainierten sie mit einem Provisorium: eine mit Zeitungspapier gefüllt Socke, zugebunden mit einer Schnur. Obwohl Pelé bereits als Teenager entdeckt wurde, hat ihn die Armut, aus der er kam, nie wirklich verlassen.



Pelé war für seinen außergewöhnlichen Weitblick und seine spielerischen Fähigkeiten bekannt. Bildquelle: Wikimedia Commons.

„Sein Aufstieg war wie ein Märchen und das Land seine gespannten Leser", erklärt Gustavo. „Pelé war für Brasilien mehr als nur ein Fußballer. Er kam genau zum richtigen Zeitpunkt, als die Menschen so dringend den Glauben brauchten, dass man scheinbar unüberwindbare gesellschaftliche Hürden doch überwinden konnte. Er war jemand, der eine ganze Generation inspirierte und der bewies, dass man auch als schwarzer und armer Mensch in einem rassistischen und elitären Land Erfolg haben kann". 


Mit zunehmendem Alter kommentierte er immer stärker die gesellschaftspolitischen Umstände im Land und stieß Veränderungen an. Brasilien brauchte jemanden, der glaubwürdig war und dem die Menschen zuhörten. Genau als diese Person wurde er schließlich zum UNICEF-Botschafter. Pelé unterstützte eine Reihe von Projekten wie die Ausbildung brasilianischer Straßenkinder und setzte sich für die Aufklärung über HIV/AIDS, Ökologie und Umwelt ein, was ihm den Titel als UN-Botschafter und die Ehrendoktorwürde der Universität Edinburgh einbrachte. „Pelé war auch Sportminister in Brasilien und verantwortlich für das „Pelé Gesetz“, erklärt Gustavo. „Dabei ging es darum, den Spielern ein größeres Mitbestimmungsrecht über ihre Karrieren zu geben und der Korruption im brasilianischen Fußball Einhalt zu gebieten", erklärt Gustavo.


Die Legende


Während seiner gesamten Karriere wurde Pelé von allen geliebt. Andy Warhol sagte einmal: „Pelé war einer der wenigen, die meiner Theorie widersprachen: Statt den „15 Minutes of Fame“ werden es bei ihm 15 Jahrhunderte sein“. Die Figur Pelé war zu seiner Zeit so einflussreich, dass selbst der nigerianische Bürgerkrieg 1969 unterbrochen wurde, um ihn, während eines Besuchs für ein Freundschaftsspiel in Lagos, spielen sehen zu können.



 Der Name Pelé ist mit Qualität und Skill verbunden. Wikimedia Commons.

Der Name Pelé ist für immer ein Synonym für Fußball und sportliches Können. Sogar sein Name weißt darauf hin, der an das Wort Bilé angelehnt ist, was im Hebräischen soviel wie „Wunder" bedeutet. Und ihm haben wir den Ausdruck „The Beautiful Game" zu verdanken, der bis heute von Kommentatoren und Experten auf der ganzen Welt verwendet wird. Im Vorwort seiner Autobiografie „My Life and the Beautiful Game“ schreibt er: „I dedicate this book to all the people who have made this great game the Beautiful Game". 


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