Geschichte

Als Alfa Romeo sich ein eigenes Raumschiff baute

Von Tom | 3. September 2020


Seine größten Erfolge feierte Alfa Romeo immer auf den Rennstrecken dieser Welt. Als Pionier unter den italienischen Autoherstellern war das Unternehmen aber auch für einige der berühmtesten Autos der Motorsportwelt verantwortlich und das nicht nur durch die Rennfahrerlegende Enzo Ferrari. Doch die Geschichte von Alfa zeichnet sich auch durch eine experimentelle und innovative Seite aus. Aus diesem Streben nach Entwicklung entstand der begehrte Disco Volante – ein Auto, das zum Mittelpunkt von Innovation und Intrigen wurde.


In den späten 40er und den ganzen 1950er Jahren war die Welt vom Mythos der „fliegende Untertasse" gefesselt und die Menschen von Ufos fasziniert. Das Atomzeitalter war begonnen und alle Augen waren auf die Zukunft gerichtet. Diese neue Ästhetik durchdrang alle Teile der Gesellschaft und natürlich auch die Autoindustrie. Inspiriert von der neuen Designsprache entwarf Alfa Romeo den Disco Volante und erschuf damit ein zeitgemäßes und hochgelobtes Auto, das Oldtimer-Enthusiasten bis heute in seinen Bann zieht. 


Die Ära der UFOs


Die Designsprache eines Autos ist immer vom zeitlichen Kontext seiner Entwicklung abhängig und ein wichtiger Teil seiner DNA. Es war der 24. Juni 1947: Kenneth Arnold, ein Pilot aus Idaho, machte auf seinem Weg nach Yakima, Washington, einen kurzen Umweg. Der Grund? Er hörte von einer Belohnung in Höhe von 5.000 USD für denjenigen, der die Wrackteile eines Flugzeugabsturzes in der Gegend entdeckte. Aber noch bevor seine Suche begann, nahm sie ein jähes Ende. Arnold erzählte, dass er an jenem Tag einen blauen Lichtblitz am Himmel sah und zunächst annahm, dass dieser von einem anderen Flugzeug stammte. Aber alles, was er sehen konnte, war eine gewöhnliche DC-4, die auf keinen Fall blitzte. Dann erneut - diesmal neun Blitze in Folge und er beschrieb, wie er eine Reihe unidentifizierter, scheibenförmiger Objekte sah, die sich in einer deutlichen Flugformation bewegten und immer wieder ineinander und auseinander flogen. 




Die Schlagzeile in der Chicago Sun war eine von vielen, die von angeblichen UFO-Sichtungen berichtet


Obwohl seine Geschichte nie bewiesen oder widerlegt wurde, hinterließ sie bei ihm und der Öffentlichkeit ein wachsendes Gefühl der Ungewissheit. Arnolds Beobachtung gilt als ein prägendes Beispiel für UFO-Sichtungen und gab den Medien ausreichend Futter für viele weitere Berichterstattungen. Für Zeitungen in ganz Nordamerika und der ganzen Welt gab es kein anderes Thema mehr und ab 1947 begannen die Menschen überall seltsame Dinge am Himmel zu sehen. Der Begriff „fliegende Untertasse" war fortan nicht mehr aus dem alltäglichen Sprachgebrauch wegzudenken.


Auftritt des Disco Volante


Auch Alfa Romeo wusste, was die Stunde geschlagen hat, machte sich die Faszination der Öffentlichkeit für UFOs zunutze und konstruierte seine ganz eigene „fliegende Untertasse". Der Plan war ein Fahrzeug zu bauen, wie es nie zuvor auf der Straße zu sehen war. 1952 erhielten der Entwicklungsleiter von Alfa, Orazio Satta Puliga, und der Designer Carlo Chiti in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Karosseriebauer Carrozzeria Touring den Auftrag, einen Prototyp eines neuartigen Rennwagens zu entwerfen. Auf Basis des Alfa Romeo 1900 wurde ein Konzept erstellt, das wegweisend im Umgang mit experimentellen Fahrwerk und Motoren sein sollte. 



Der Disco Volante, inspiriert von fliegenden Untertassen, zeichnet sich durch seine geschmeidigen Formen aus

Mit seiner fast ovalen, tropfenförmigen Form folgte das Auto der runden Ästhetik fliegender Untertassen. Im Gegensatz zu seinem außerirdischen Pendant war der C52 Disco Volante (italienisch für "fliegende Untertasse") jedoch kaum zu übersehen. Die Scheinwerfer und Rücklichter wurden auffällig in die Metallkarosserie gesetzt und durch entsprechende Linien stark betont, wodurch die Designer ein fast insektenähnliches Aussehen erzielten. Zugleich wurden die Türen durch ihre konkave Form so versteckt, dass es den Anschein machte, also ob der Volante keinen Einstieg hatte. 


Insgesamt baute Alfa fünf Prototypen, alle in einer abgewandelten Form. Drei der Autos hatten einen Vierzylinder-Motor mit zwei Litern Hubraum, während die beiden später gebauten Einheiten mit einem 6-Zylinder-3,5-Liter-Motor ausgestattet waren. Einer der drei ersten Wagen wurde zu einem Coupé umgebaut, bekam ein gewölbtes Dach und kompakte Türen, während ein anderer eine schmalere seitliche Linie bekam und unter dem Namen Alfa Romeo C52 Fianchi Stretti (italienisch für „schmale Hüften") bekannt wurde.


Die fünf Prototypen wiesen alle leichte Abweichungen auf, aber ihre helle Farbe blieb gleich

Jedes dieser Autos war auf seine eigene Weise bemerkenswert und auf der Rennstrecke nicht zu übersehen. Zudem waren sie schnell. Mit dem stromlinienförmigen Design und dem „Space Frame" (ein selbsttragender Gitterrahmen) waren sie leicht und konnten dank des 3,5-Liter Motors Geschwindigkeiten von bis zu 240 km/h erreichen. 


Wiedergeburt im 21. Jahrhunderts


Heute leben diese Prototypen im Alfa-Romeo-Museum weiter und tauchen manchmal auch auf Oldtimer-Rennen auf. Ihr Design war eine Blaupause für eine ganze Generation des Fahrzeugbaus. Der Alfa Romeo 6C 3000 CM mit seinem Design zollte dem Disco Volante Tribut und das ikonenhafte Autodesignunternehmen Pinin Farina nutzte den Volante als Inspiration für seine Superflow-Serie. Im Jahr 2013 entstand eine Nachbildung des Disco Volante: der Alfa Romeo Disco Volante von Touring, eine Hommage an den Klassiker des Weltraumzeitalters, komplett mit einem Leistungsupdate, durch das seine Höchstgeschwindigkeit nun 291 km/h betrug.



Der Disco Volante kann im Alfa-Romeo-Museum in der Nähe von Mailand, Italien, besichtigt werden

Die Disco Volante ist ein Markenzeichen für innovatives Oldtimer-Design und unter den Enthusiasten äußerst beliebt. Und wie sein Namensvetter bleibt er immer noch ein wenig unerreichbar: ein Auto, nicht von dieser Welt, das man immer nur flüchtig zu Gesicht bekommt. 

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