Geschichte

Eine Einführung in die Kunst der chinesischen Kalligrafie

Von Tom | 7. August 2020


Eine Mischung aus Schrift und Malerei: die chinesische Kalligrafie ist ein besonderes und unvergleichliches Handwerk. Eine Herausforderung für Menschen, die sich dieser Kunst widmen wollen. Aber auch, wenn es nicht ganz einfach ist: ein grundsätzliches Verständnis über Werkzeuge und Techniken kann schon weiterhelfen. Unsere Expertin für asiatische Kunst, Ye Hua, erklärt.


Die Kalligrafie spielt in China seit Generationen eine zentrale Rolle und ist tief in der DNA des Landes eingebettet. Sie ist sowohl Kommunikationsmittel als auch Ausdruck individueller Gestaltung und Persönlichkeit. Außerhalb Chinas wird die Kalligrafie heute vor allem als ästhetisch wahrgenommen, möchte man das Handwerk jedoch tatsächlich erlernen, ist die Geschichte dieser Kunst entscheidend. 


Eine kurze Geschichte der chinesischen Schrift


Die Kalligrafie ist in der chinesischen Kultur stark verankert. „In China hat sie eine 2000 Jahre alte Geschichte, die zu Zeiten der Han Dynastie begann“, erklärt uns Ye. „Ihr historischer und kultureller Wert ist eng mit der Art und Weise verbunden, wie die Chinesen seit Langem die Literatur und das geschriebene Wort betrachten“. Frühe Schriftbeispiele wurden erstmals während der Shang-Dynastie auf so genannten Orakelknochen (Tierknochen) gefunden. In dieser Zeit sollen Shang-Könige bei Weissagungsritualen die Knochen mit Aufschriften versehen haben. Expert*innen auf diesem Gebiet vermuten hier einen Grund dafür, dass die Alphabetisierung in China als eine so hoch geschätzte Eigenschaft angesehen wird.  



Das Schreiben war und ist in der chinesischen Kultur hoch angesehen

Die Kalligraphie tauchte erstmals im vierten Jahrhundert auf. Sie zu beherrschen brachte den Menschen Anerkennung und Prestige ein, und so war diese Handwerkskunst schließlich auch ein Schlüssel zur Macht: Gelehrte und Einzelpersonen, die das Schreiben beherrschten, nahmen viele der prestigeträchtigsten Rollen in Regierung und Gesellschaft ein. Kaiser ließen ihre Namen in Stelen (alte Stein- und Holzplatten, die als Denkmäler verwendet wurden) und auf Berghänge gravieren, um sicherzustellen, dass sie in der Gegenwart und auch in der Zukunft bekannt blieben. 


„Wichtig zu wissen ist: das chinesische 书法 bedeutet wortwörtlich „Art zu schreiben“. In der Kalligrafie-Kunst ist aber nicht nur wichtig, wie man schreibt, sondern auch, wer man ist, wenn man schreibt“, erzählt uns Ye. „In Japan nennen sie es 书道, was so viel bedeutet wie „Geist des Schreibens“. Sie glauben, dass Kalligraf*innen einen guten Charakter haben müssen, um wunderschön schreiben zu können. In China werden Kinder auch heute noch ermutigt, Kalligrafie-Unterricht zu nehmen, damit sie ihre Geduld und ihre Arbeits- und Denkweise schulen können, und einen guten Charakter entwickeln. Einem chinesischen Sprichwort nach, kann man einen Menschen durch seine Art zu schreiben kennenlernen“.


Kategorien chinesischer Kalligrafie


Während der Han Dynastie wurden die grundlegenden Kalligrafie-Werkzeuge, wie Schreibpinsel, Stangentusche, Reibstein und Papier hergestellt, was die Beliebtheit und das große Prestige um die Schreibkunst überhaupt erst ermöglichte. 


„Die Kalligrafie hat sich auf der Anordnung der chinesischen Buchstaben, die aus mehrere Strichen bestehen, heraus entwickelt“, sagt Ye. „Chinesische Buchstaben basieren nicht auf dem a-b-c, sondern auf der Form und Figur von Dingen und Objekten. Diese wurden aus dem alten Chinesisch (甲骨文) entwickelt und gehen auf das 14. bis 11. Jahrhundert. v.u.Z. zurück". Die Leser*in kann die Persönlichkeit der Kalligraf*in an den Schnörkeln und Strichen erkennen, während der visuelle Aspekt der Kalligrafie- wie umgekehrte Onomatopoetika- dazu beiträgt, die Bedeutung zu vermitteln.


In der chinesischen Kalligrafie gibt es fünf verschiedene Schreibstile

„Es gibt fünf Schriftstile, die in der chinesischen Kalligrafie gebräuchlich sind", fährt Ye fort. „Regelschrift, Kursivschrift, Grasschrift, Kanzleischrift und Siegelschrift. Die Regelschrift ist leichter zu erlernen, da diese eher erkennbaren und deutlichen Zeichen ähnelt. Die Kursiv- und Grasschriften können je nach Handschrift der Kalligraf*innen anders aussehen. Die Kanzlei- und Siegelschriften sind am schwersten zu erlernen und erfordern ein jahrelanges Studium". 


Benötigte Materialien


Die richtigen Werkzeuge zu haben, ist sehr wichtig. „Um die chinesische Kalligrafie zu üben, braucht man einen Pinsel, Tinte, Stangentusche und etwas Reispapier (im Chinesischen „Wen Fang Si Bao“ genannt). Dem Pinsel kommt beim Schreiben die wichtigste Rolle zu. Pinsel, die am besten geeignet sind, werden mit Tierhaaren hergestellt, die in eine Bambus-, Porzellan- oder sogar Hornhülle eingefasst sind. Das Haar sollte weich sein, aber flexibel genug, damit man es sich beim Schreiben leicht drehen und drücken lässt. Kaninchenhaar, Ziegenhaar und Wieselhaar sind sehr beliebt".



Ein guter Pinsel ist zweifelsohne das wichtigste Werkzeug beim guten Kalligrafieren

Kalligrafie und die Qualität der Werkzeuge liegen dicht beieinander. Erst durch hochwertige Materialien kann man sich in der eigenen Schrift so ausdrücken, wie man möchte. Die Art und Weise, wie ein Pinsel die Tinte hält, und wie man die Pinsel in dicken oder dünnen Strichen benutzt, ist wesentlicher Teil des eigenen Stils und sorgt dafür, dass man den Charakter und den Menschen selbst in der Schrift erkennen kann.


Heutzutage ist es ganz einfach, Hilfsmittel zum Lernen zu finden. „Es gibt quadratische Blätter mit vorgedruckten Strichen. Diese sind sehr einfach und perfekt zum Üben. Ganz zu Beginn empfiehlt sich zudem ein Kurs oder eine kurze Einleitung zum Erlernen der chinesischen Sprache". 

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