Geschichte

Vielseitig und immer im Trend: die Geschichte von Leder in der Mode

Von Tom | 12. Juni 2020


Im Frühjahr 2020 gehört Leder zu den Modetrends, die man im Auge behalten sollte. Leder ist in der Mode kein Neuling, erfindet sich aber immer wieder neu. Die alten Griechen nutzten es, die Mode für Biker kommt nicht ohne aus und in der neuesten Entwicklung sehen wir Leder auch in moderner Subkultur und als sexuelles Statement. Modeexpertin Eva de Vries verrät uns mehr über die Geschichte von Leder in der Modewelt.


Die Mode ist so beständig wie das Wetter im April. Ständig kommen neue Materialien dazu. Was gab es da nicht schon alles? Pferdehaar für Petticoats, Stroh für Büstenhalter und Blei für Make-Up. Die Branche ist immer auf der Suche nach den Trends und Bedürfnissen der Zukunft und so ist die Mode tendenziell auch nicht von Langlebigkeit geprägt. Leder jedoch hat genau das geschafft: in irgendeiner Form spielte es immer eine Rolle und das macht dieses Material noch interessanter. Leder ist strapazierfähig und vielseitig - zwei Merkmale eines jeden guten Materials - und ist inzwischen auch zum Ausdrucksmittel verschiedenster Gruppen geworden, von Bikern bis hin zur Queer-Kultur. „Es wurde zu einem Symbol für Männlichkeit und Unterschiedlichkeiten, das sich ständig weiterentwickelt", sagt Eva. Wie hat Leder es geschafft, sich einen festen Platz in der Mode zu sichern? 


Die Lederjacke


Wie könnte man die Beliebtheit und Bedeutung von Leder besser darstellen als anhand eines der bahnbrechendsten Modestücke: Es geht um die Lederjacke. „Leder hat durch Hermès und Louis Vuitton wirklich Einzug in die High Fashion-Szene erhalten", sagt Eva. „Hermès präsentierte dem Prince of Wales 1918 eine Golfjacke aus Leder mit einem Reißverschluss. Gerade in der Sport- und Aktivbekleidung spielte Leder eine große Rolle, einfach weil es das haltbarste verfügbare Material war".


Der große Durchbruch kam jedoch ersten nach dem Zweiten Weltkrieg, und dann in eher dubiosen Kreisen, den Motorrad-Gangs. Biker-Gruppen bestanden anfangs vor allem aus Kriegsveteranen, von denen viele Schwierigkeiten hatten, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Diese Männer waren an den intensiven Kontakt mit ihren männlichen Kollegen gewöhnt, unter Zivilisten aller Geschlechter kamen sie nur schwer zurecht. In Motorrad-Clubs, oder manchmal waren es auch richtige Banden, gab es meist nur Männer und man trug Lederjacken: einerseits aus praktisches Gründen und wahrscheinlich betonte es auch eine bestimmte Gefühlsebene.  


Marlon Brando in „Der Wilde“ (Originaltitel: The Wild One) trug Leder und etablierte damit Leder sowohl in der Biker- als auch in der Queer-Szene.


„Motorradfahrer entschieden sich vor allem aus Sicherheitsgründen für Leder, es war einfach ein sehr stabiles Material. Genau wie Levi's Denim-Jeans ursprünglich für Arbeiter entwickelt wurden", erzählt Eva. „Robust und widerstandsfähig war aber nicht nur das Material. Es passte gut zum gewollten Image: viele Motorradfahrer wollten als besonders maskulin wahrgenommen werden. Und so wurde Leder immer beliebter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden immer mehr Motorrad-Clubs gegründet und das robuste Material wurde zu einem Bildnis der Biker-Subkultur. Und schon stand Hollywood auf der Matte: Schauspieler wie James Dean und Marlon Brando stellten ihre maskulin-dominierte Persönlichkeit zur Schau. Jeans, Rippenshirt und natürlich Leder- dieser Kombination sollten die Frauen scharenweise erliegen".


Fetischkultur und Maskulinität


Brando und Dean schienen sexuell vielfältig interessiert und so ergab sich ein weiteres Image von Leder. Die dargestellte Männlichkeit wurde erweitert durch die Queer-Szene. Zunächst waren es Biker, die dem Leder ihren Stempel aufdrückten, danach kamen schwule Männer, die sich stetig mehr in der Gesellschaft zeigten und Leder als Ausdruck einer starken Sexualität nutzten. Leder wurde schnell zu einem Symbol für eine starke, männliche Geschlechtsidentität und trug als solche dazu bei, eine neue Identität unter schwulen Männern zu formen. Darauf folgte eine steigende Beliebtheit in der Fetischmode - ein Crossover zwischen sexueller Begierde und Kleidung - und auch diese Szene wurde von Leder dominiert. Dabei ging es allerdings nicht mehr nur um Lederjacken: von Hosen, Mützen und Stiefeln bis zu Unterwäsche, Masken und Fesseln, alles war aus Leder und die Szene boomte. „Wenn man Leder trägt, ist das ein bisschen wie eine zweite Haut“, erklärt Eva. „Es betont die Form und die Kurven des Körpers und verleiht ihm sexuellen Reiz".  


Später gab es auch Hosen, Mützen und Unterwäsche aus Leder


Leder wurde anfangs vom Militär und in Biker-Gruppen getragen und erhielt dadurch eine gewisse hierarchische Konnotation, Disziplin und Dominanz spielten hier eine nicht unwesentliche Rolle. Durch das Tragen von Leder in der Queer-Gemeinde, vor allem durch schwule Männer vorangetrieben, etablierte sich diese Disziplin und Dominanz mit einer deutlicheren sexuellen Komponente.



Tom of Finland ist für seine homoerotischen, häufig hypermaskulinen, Illustrationen bekannt und begründete damit eine ganze Ära homosexueller Kunst


Tom of Finland ist bekannt für seine provokanten Cartoon-Zeichnungen von schwulen, muskulösen Männern in Leder. Bedeutende Künstler wie er trugen dazu bei, das Bild und den Standard dessen zu kultivieren, was es heißen kann, Leder zu tragen, und prägten gleichzeitig eine ganze Generation schwuler Kunst. Sein Werk stellte Männer dar, die die klassischen männlich-starken Attribute zeigten und als solche zu einem Bild und Ideal für schwule Männer wurden. Schwule Männer wollten das Vorurteil bekämpfen, sie seien weich, weil sie homosexuell sind. Diese Entwicklung war durchaus bemerkenswert, spielte sie sich zu einer Zeit in Amerika in den 60er Jahren ab, als männliche Nacktheit und schwule Literatur in den Medien gerade entkriminalisiert wurden. 


Die Rebellion durch Leder


Es hatte sich etabliert: wer Leder trägt, fühlt sich sexy und stark. Dahinter stand aber auch eine rebellische Symbolik. Biker-Gangs und auch die Charaktere, die Brando und Dean spielten, bewegten sich außerhalb der Gesellschaft. Im Grunde genau so wie es der Queer-Szene einst ging. „Das Tragen von Leder wurde irgendwie zu einem Ausdruck des Widerstands; ein Statement, dass man Unterschiede nicht verheimlichen, sondern laut herausschreien wollte“, sagt Eva. „Später kam Leder auch in der Punkkultur an. Lederjacken, wie sie zum Beispiel von den Ramones getragen wurden, wurden stark individualisiert und die Individualität wurde gefeiert“.



Die Lederkultur gibt es noch heute und zwar in allen Bereichen. Aus den verschiedensten Subkulturen in die Mainstream-Mode


Jahrzehnte der Rebellion wurden durch Leder begleitet. Dazu gehörten übrigens auch queere Frauengemeinschaften, die Leder nicht nur bei den Männern sahen, sondern sich selbst damit identifizierten und dies auch zeigen wollten. Verschiedene Gruppen haben es im Laufe der Jahre als ein Symbol von Provokation, Identität und Zuflucht etabliert, aber die Entwicklung der modernen Mode (Marken wie Versace und Gucci brachten Leder auf den Laufsteg) hatte wesentliche Auswirkungen darauf. Die moderne Mode, in Kombination mit falschen Vorstellungen in den verschiedenen Subkulturen, führte dazu, dass vor allem die Fetischmode gesellschaftlich unter Beschuss geriet. 


Leder hat schon viel erlebt. Mainstream, Subkultur, exklusiv, individuell, häufig Identität. Was alle verbindet: die Qualität und die Langlebigkeit des Materials. Und so glauben wir, dass die Geschichte von Leder in der Gesellschaft noch nicht zu Ende geschrieben ist. Wir sind gespannt, was noch alles kommen wird. 

____________________


Entdecken Sie unser Angebot an Lederobjekten: von Taschen bis zu Jacken. In unseren wöchentlichen Mode-Auktionen finden Sie viele interessante Stücke. Und wenn Sie besondere Dinge aus Leder verkaufen möchten, registrieren Sie sich einfach als Verkäufer.


Mehr entdecken zu Mode | Taschen 


Diese Stories könnten Ihnen auch gefallen:


Die spannenden Modetrends für 2020


Wie die Nachfrage nach Vintage-Kleidung die Herrenmode belebt


Die seltsame Begeisterung der High Fashion für Alltagsgegenstände


Erstellen Sie kostenlos Ihr Catawiki Nutzerkonto

Bei Catawiki bieten wir Ihnen jede Woche auf’s Neue eine beeindruckende Auswahl besonderer Objekte, die Sie überraschen wird. Melden Sie sich noch heute an und entdecken Sie die wöchentlichen Auktionen, die unser Team von Experten für Sie zusammengestellt hat.

Jetzt registrieren
Diesen Artikel teilen
Close Created with Sketch.
Noch nicht angemeldet?
Erstellen Sie Ihr kostenloses Catawiki-Benutzerkonto und bieten Sie jede Woche auf 50.000 besondere Objekte.
Melden Sie sich jetzt an!