Branchentrends

Warum das Thema Elektro-Oldtimer die Autofans in zwei Gruppen spaltet

Von Simone | 8. Mai 2020

Oldtimer wie der VW Käfer, Jaguar E-Type oder Porsche 911 vereinen eine Eleganz und Nostalgie in sich, mit der moderne Autos einfach nicht mithalten können. Leider sind sie aber auch mit einer Motorisierung ausgestattet, die in einer nachhaltigen Zukunft eigentlich keinen Platz mehr hat – bis jetzt. Aktuell sehen wir, dass immer mehr alte Oldtimer mit Elektromotoren ausgestattet werden. Grund Genug, um uns mit den Autoexperten Luca Gazzaretti und Franco Vigorito zusammenzusetzen und diese Entwicklung zu diskutieren.

Nachdem Elektroautos inzwischen zu einem gewohnten Straßenbild geworden sind, ist die Elektrifizierung alter Autos der logische nächste Schritt. „Elektro-Oldtimer", oder auch „EV-Classics“, könnten die ultimative Form des Recyclings sein. Autos, die ein Fall für den Schrottplatz gewesen wären, verwandeln sich in funktionierende Oldtimer und können ohne Sorge um den CO2-Ausstoß gefahren werden.

Tradition vs. emissionsarm

Allerdings stehen nicht alle dieser Entwicklung so positiv gegenüber. Unseren Experten zufolge gibt es zwei Gruppen: diejenigen, die in den technologischen Möglichkeiten die Chance sehen, einem Oldtimer neues Leben einzuhauchen und ohne schlechtes Gewissen fahren zu können. Dagegen stehen die Traditionalisten, die gerne mit einem originalen Benzinmotor fahren und eine solche Umrüstung schon fast als Sünde empfinden. 2019 veröffentlichte die FIVA, der Weltverband der Oldtimer-Clubs, eine Erklärung, mit der man sich gegen den Austausch von Originalmotoren aussprach.


Doch in einer umweltbewussten Welt, in der der Einsatz von Oldtimern auf der Straße zunehmend eingeschränkt, vielleicht irgendwann sogar ganz verboten wird, bleibt die Frage: Ist diese Idee nicht ein guter Mittelweg, der sowohl nachhaltig ist als auch das automobile Erbe schützt? „Ich denke mal, dass die traditionellen Sammler E-Oldtimer niemals akzeptieren werden", sagt Franco. „Für diese geht die Originalität über alles und sobald der Motor entfernt wird, verändert sich der Charakter unwiderruflich". 

Die Nachrüstung alter Fahrzeuge mit Neuteilen ist wiederum ganz und gar nicht neu. Das konnten wir vor einiger Zeit bei unserem Besuch bei der Restauratorin und Catawiki-Verkäuferin Paola Lagnena sehen. Sie sagte, dass die größte Herausforderung bei der Restaurierung eines Oldtimers darin besteht, herauszufinden, wie nahe man dem Original kommen kann, obwohl nicht alle Originalteile mehr verfügbar sind. Eine Grauzone. In diesem Fall spielen Faktoren wie der Zustand des Wagens und sein Kultstatus eine große Rolle. Es gilt abzuwägen. Serienautos mit mittelmäßigen Fahrleistungen und ständigen Pannen, wie der VW-Käfer, eignen sich wahrscheinlich besser zum umrüsten, als ein seltener Ferrari. 


Modeerscheinung oder Zukunft

Auf die Frage, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Oldtimer-Markt haben könnte, sind unsere Experten ebenfalls zwiege­spal­ten. „Schwer zu sagen, da sich die Umweltschutzgesetze ständig ändern können. Großen Einfluss werden neue Technologien aber mit Sicherheit auf die Zukunft von Oldtimer haben", meint Franco. 

Luca glaubt jedoch nicht, dass das Ganze große Wellen schlagen wird: „Momentan ist es nur eine kleine Nische. Ich glaube nicht, dass es überhaupt eine große Wirkung haben wird. Da wir aktuell eine große Nachfrage an Youngtimern sehen, denke ich, dass sich der Markt stärker in diese Richtung entwickeln wird.“ 

Bisher wurden Oldtimer zumeist von kleinen und spezialisierten Autohäusern auf Elektrik umgerüstet. Allerdings gibt es ein paar tolle Ausnahmen: Vor zwei Jahren rollten die frisch vermählten Prinzen Harry und Meghan Markle in einem silberblauen 1968er Jaguar E-Type, natürlich mit Elektromotor, (lautlos) in den Sonnenuntergang. Es war das erste Mal, dass sich ein Elektro-Oldtimer auf einer großen öffentlichen Bühne präsentierte. Bemerkenswert ist, dass er von einer speziellen Abteilung von Jaguar selbst gebaut wurde. Aber auch Aston Martin kündigte an, die alten Wagen der Fans umzubauen, damit sie ihren heißgeliebten Klassiker nicht wegen eventueller Umweltschutzgesetze aufgeben müssen. Trotz Kritik von Seiten der Traditionalisten ist diese Aussage ein Beweis dafür, dass es durchaus einen Markt für E-Oldtimer gibt.


Zukunftsaussichten

Bedeutet das also, dass sich große Autohersteller bald in riesige Recyclingfabriken verwandeln werden, die alten Autos ein neues Leben einhauchen werden? Unwahrscheinlich. Die meisten Fans werden an ihrem Hobby nichts verändern wollen. Aber da immer mehr Menschen drastische Veränderungen in ihrem Leben vornehmen, um der globalen Erwärmung zu entgegnen, ist klar, dass das Thema der E-Oldtimer, ob klassisch oder nicht, in absehbarer Zeit interessant bleiben wird.

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