Leitfäden und Ratschläge

Alles, was Sie über Bio-Wein wissen müssen

Von Tom | 13. Dezember 2019


Als die Gesellschaft sich in Richtung Nachhaltigkeit und bewusstem Leben entwickelte, reagierten auch die Winzer (und die Weintrinker) auf den grünen Trend. Bio-Weine wurden immer beliebter, da der Fokus hier auf „natürlicher“ Weinherstellung liegt. Bio-Wein ist aber ein großer Begriff, der häufig mit biodynamisch oder natürlich verwechselt wird. Um Klarheit über die Begrifflichkeiten zu bekommen und alles Wissenswerte aus dem Bereich zu erfahren, haben wir die Weinexpertin Patricia Verschelling um Rat gebeten.


Erklär uns bitte: was ist Bio-Wein?


Patricia: Bio-Weine sind aus Trauben gemacht, die ohne jegliche Pestizid-Behandlung und ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel gewachsen sind. Der Prozess der Weinherstellung selbst unterscheidet sich weniger stark von konventionellen, also nicht-Bio, Weinen. Die biologischen Weinbaugebiete sind bewusst so angelegt, dass ein Befall von Krankheiten oder Schädlingen weniger wahrscheinlich ist. Als Düngemittel wird biologischer Kompost eingesetzt, und zwischen den Reben wird der Boden begrünt, um die Humusbildung anzuregen und einen gesunden Boden zu fördern. Die Umstellung von konventioneller auf biologische Landwirtschaft dauert mindestens drei Jahre. Und nicht alle biologischen Weine haben auch eine Bio-Zertifizierung.


Biologische Weine bestehen aus Trauben, die nicht mit Pestiziden oder chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden


Und was ist der Unterschied zwischen biologischem und biodynamischem Wein?


Patricia: Biodynamische Weine- biodynamisch wird auch Demeter genannt - entstehen aus einer extremeren Form des Bio-Weinbaus. Diese Art des biologischen Landbaus gehört zu den ältesten Verfahren und basiert auf den landwirtschaftlichen Theorien des österreichischem Philosophen Rudolf Steiner aus dem Jahr 1924. Die Demeter-Landwirtschaft unterscheidet sich in drei wesentlichen Punkten von der biologischen Landwirtschaft: Alle Arbeiten, wie zum Beispiel Bepflanzen, Pflügen, Ernten und Abfüllen unterliegen einem ganz bestimmten Ablauf und richten sich nach dem Tages- und Jahreszeitenrhythmus der kosmischen Kreisläufe (Erden, Sonne, Mond und Sterne). Regelmäßig wird der Boden mit Präparaten wie Hornmist und Hornkiesel behandelt. Der Weinberg soll selbst ein nachhaltiges Ökosystem sein. Dabei stammen alle Zusatzstoffe oder Hilfsmittel, die im Prozess der Weinherstellung verwendet werden können, ebenfalls aus biologischer Herkunft.


Und wie würdest Du Naturwein definieren?


Patricia: Naturweine sind biologische oder biodynamische Weine, die so rein wie möglich und ohne oder mit nur wenig Zusatzstoffen (wie zum Beispiel Schwefeldioxid) hergestellt wurden; also so wenig Eingriff wie möglich. Normalerweise ist die Hefe zur Gärung der Trauben (die Zucker in Alkohol und CO2 umwandelt) natürlich und stammt aus der Traube selbst. Diese Weine werden nicht gefiltert, wodurch sie meist etwas trüb sind. In der Regel sind sie für Vegetarier oder Veganer geeignet.“


Verbraucher suchen immer mehr nachhaltige und emmissionsarme Alternativen. Gibt es denn einen Wein, den man wirklich als „natürlich“ bezeichnen kann?


Patricia: „Ich würde sagen, alle Naturweine, da sie mit so wenig Eingriff wie möglich hergestellt wurden. Bei dieser Art der Weinherstellung können einige Weine jedoch unvorhersehbare Aromen und Beeinträchtigungen aufweisen; wie schlimm das ist, muss man selbst entscheiden. Die Reifung und/ oder Lagerung einiger dieser Weine kann sehr anspruchsvoll und arbeitsintensiv sein. Da dem Wein kein Schwefel zugesetzt wird, neigt er eher zu bakteriell bedingten Fehlgärungen, welche Geschmack und Qualität beeinträchtigt“.



Die sogenannten Naturweine werden ohne aufwendige Verfahren hergestellt - durch die geringe Kontrolle variiert der Weingeschmack sehr stark


Wo wir gerade bei Geschmack sind: wie unterscheiden sich die ganzen „Bio-Weine“ denn im Geschmack?


Patricia: „Es gibt keine fundierten Geschmacksunterschiede zwischen biologischen und biodynamischen Weinen. Naturweine hingegen haben in der Regel, wie schon erwähnt, einen sehr ausgeprägten Geschmack mit einem hohen Säuregehalt und sehr starken Aromen wie Biscuit und rostigem Apfel.... Eine weitere Art des Naturweins ist der „orange Wein“. Das sind Weißweine, die wie ein Rotwein hergestellt werden (mit der Maische vergoren) und somit eine orangene Färbung entwickeln.“


Gibt es Dinge, auf die man besonders achten sollte, wenn man in biologische Weine investieren möchte? Abfüllung, Jahr, Technik?


Patricia: „Es gibt so viele hochwertige biologische und biodynamisch Weine. Der bekannteste und auch teuerste Produzent ist Domaine de la Romanée-Conti (Demeter/ biodynamisch). Wenn es um die Qualität geht, ist es gar nicht entscheidend, ob ein Wein biologisch, biodynamisch oder ein sogenannter Naturwein ist. Es liegt immer am Produzenten. Von dessen Wissen und Fähigkeiten hängt es ab, den bestmöglichen Wein herstellen zu können.“



Einige Naturweine, wie der orange Wein, werden wie Rotwein- also mit längerer Maische-Standzeit- hergestellt


Wie siehst Du die Veränderungen auf dem Weinmarkt angesichts der steigenden Popularität? Werden sie die konventionellen Weine und Techniken überholen?


Patricia: „Die Zahl der weinproduzierenden Bio- und Demeter-Betriebe hat sich seit den 1990er Jahren verdreifacht. Eine weitere aufkommende Bewegung ist die Lutte Raisonnée (= "vernünftiger Kampf"), die eng mit dem ökologischen Landbau verbunden ist; mit dem Unterschied, dass der Winzer oder Produzent eingreifen kann, wenn ein Problem im Weinberg auftritt und er Chemikalien einsetzen kann, um seine Ernte und seinen potenziellen Gewinn zu retten. Ich denke das wachsende Bewusstsein der Verbraucher für die Herstellung von Produkten und deren Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit wird weiterhin die Produktion von Bio-Weinen steigern. Infolge des Klimawandels werden einige Regionen, die früher schwer in einen biologischen oder biodynamischen Weinbau umzuwandeln waren (aufgrund von Feuchtigkeit, Regen, Kälte und daraus resultierendem Krankheitsbefall), Maßnahmen in Richtung ökologischer Landwirtschaft ergreifen müssen.“


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