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Die Capsule Collection von Glenlivet und Fragen zur Zukunft des Whiskys

Von Simone | 8. Oktober 2019

Wir haben uns mit unserem Whisky-Experten Jeroen Koetsier zusammengesetzt und darüber gesprochen, was die Zukunft für den Whisky-Markt bereithält. Wird Nachhaltigkeit eine Rolle spielen? Wird es vielleicht bald alkoholfreien Whisky geben? Mit den Whisky-Kapseln, die Glenlivet letzte Woche auf Twitter angekündigt hat, hat aber wohl keiner gerechnet. Wir haben uns direkt mit Jeroen zusammengesetzt, um diese bizarre Entwicklung zu besprechen und auch, wie sich das auf den Whisky-Markt auswirken könnte.

Glaslose Whisky-Kapseln

The Glenlivet hat sich seit Langem als Symbol für Perfektion und Innovation etabliert. Andere Marken haben sogar versucht, „Glenlivet“ in den eigenen Namen mit aufzunehmen (nehmen wir zum Beispiel „Macallan Glenlivet“) - das aber erfolglos. The Glenlivet hat die vollständige Autonomie über den Firmennamen. Und bis heute geht das Unternehmen mutige und innovative Wege, wie die neuen Whisky-Pods beweisen. Die Capsule Collection entstand in Zusammenarbeit von The Glenlivet, Notpla (ein nachhaltiges Start-Up für Verpackungen) und Tayēr + Elementary (eine luxuriöse Cocktailbar in London). Die Pods selbst bestehen aus Seetang und werden bei der Entsorgung innerhalb von 4-6 Wochen biologisch abgebaut, was laut Notpla im Grunde genommen bedeutet, dass es keinen Abfall mehr gibt.

The Glenlivet erklärt: Die dahinterstehenden Gedanken sind Einfachheit und Nachhaltigkeit. „Sie zu genießen ist einfach: die Kapseln nimmt man in den Mund und erhält ein sofortiges Geschmackserlebnis, danach schluckt man sie einfach herunter. Man benötigt kein Glas mehr, kein Eis und keine Cocktailrührer.“

The Glenlivet machte die Whisky Capsule Collection auf Twitter bekannt und löste damit Kontroversen aus. 

Großer Fehler oder Geniestreich?

Kurz nach der Bekanntgabe auf Twitter ging die Nachricht von den der Capsule Collection viral - sowohl im Guten als auch im Negativen. Das Konzept ist so neu, dass man der Marke direkt verzeihen würde, wenn sich die Idee doch als Marketing-Streich herausstellen sollte. Aber das ist, so Jeroen, wohl nicht der Fall: „Glenlivet und ein Marketing-Gag? Ich fürchte nicht.“ 

In einer Pressemitteilung erwähnt The Glenlivet, dass ihr Gründer immer „gegen den Strom schwamm, die Tradition ignorierte und die Dinge anders gemacht hat". Man argumentiert damit, die Innovation mit den Kapseln würde seinen Pioniergeist widerspiegeln. Jeroen bezweifelt das. „Ich bin mir sicher: wenn der Gründer von The Glenlivet davon wüsste, er würde sich im Grabe umdrehen.“ 

Der Tweet hat für viel Aufsehen in der Branche gesorgt. The Glenlivet machte aber auch bekannt, dass es sich hierbei nur um eine limitierte Auflage handele, speziell für die Londoner Cocktail-Week. Das wiederum führte zu Enttäuschungen bei denjenigen, die die Kapseln unbedingt ausprobieren wollten. Und dennoch kann sich Jeroen vorstellen, dass die Kapseln ein Erfolg werden könnten. „Wer weiß? Mit den neuesten NAS-Abfüllungen („no age statements“, also ohne Altersangabe) von vielen Brennereien, darunter auch The Glenlivet, könnten [die Kapseln] genau das sein, was die Menschen wollen."

Auswirkungen auf den Whisky-Markt

Aber was sagt der Whisky-Experte zu der Einführung der Kapseln?  „In einem Wort: traurig“, sagt Jeroen. „Diese Kapseln haben keine Zukunft, vor allem, weil das olfaktorische Erleben 80% des Geschmacks ausmacht. Wenn man also nicht mehr Riechen kann, diesen Schritt überspringt und direkt zum „Mundgefühl“ übergeht, verpasst man einen Großteil des Geschmackserlebnisses. Es gibt bereits wunderbare Schokoladen, Trüffel, usw., die mit [kleinen Mengen] Whisky gefüllt sind. Auch 23ml sind ziemlich viel. Ein junger Autofahrer könnte nach nur einer Kapsel empfindliche Strafen riskieren.

Langfristig, so glaubt Jeroen, sollten die Kapseln keine wesentlichen Auswirkungen auf die Marke oder den Whisky-Markt haben. „Gerade auf dem Markt, ist es ein interessantes Gimmick, das viel Aufmerksamkeit erregt. Das ist aber eine kurzfristige Erscheinung. Wenn sie nicht mit ernsthaften, großen Kampagnen für das Produkt weitermachen, ist kein Schaden zu befürchten. Die Pods haben den Whisky-Markt nur in dem Sinne beeinflusst, dass die Nachricht viral ging. Aber in ein oder zwei Wochen hat man das auch schon wieder vergessen.“

Und so überrascht es auch nicht, dass Jeroen nicht gerade wild darauf ist, die Pods selbst einmal zu probieren. „Sehr gerne verkoste ich einen gut gereiften The Glenlivet, aber diese Sache lass ich dann wohl doch aus.“

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