Branchentrends

Wie geht es weiter auf dem Markt für moderne Kunst?

Von Beulah | 12. September 2019

Käufer moderner Kunst bewegen sich online und traditionelle Auktionshäuser müssen neue, innovative Wege finden, um die neue Käuferschaft der Millenials und der Generation Z anzuziehen. Auch die Künstler entwickeln sich weiter und entscheiden sich zunehmend dafür, ihre Werke selbst zu vermarkten. Und Street Art verändert die Art und Weise, wie wir über Form und Eigentum denken. Mit all diesen und vielen weiteren Veränderungen vor Augen, haben wir die Experten für moderne Kunst Cécilia Chol, Blanca Marsal und Antia Helmy gebeten, uns durch die Trends zu führen, die den Markt derzeit aufwirbeln.

Entwicklung des Auktionshauses

Cécilia Chol ist Expertin für moderne Kunst und arbeitete drei Jahre lang im renommierten Auktionshaus Artcurial in Paris. Der Wechsel von Artcurial zu einer reinen Online-Auktionsplattform wie Catawiki hat ihr einen einzigartigen Einblick in die Art und Weise gegeben, wie das Internet Kunstauktionen verändert. „Der traditionelle Markt für moderne Kunst leidet regelmäßig unter Angebotsmangel und scheint an seine strukturellen Grenzen gestoßen zu sein", erklärt Cécilia. „Klassische Auktionshäuser tun sich schwer, ihre Margen zu halten, da sie häufig gezwungen sind, über Provisionen zu verhandeln, um Spitzenstücke in ihren Auktionen anbieten zu können."

Dies ist ein Grund für den Anstieg von Online-Auktionen, sagt Cécilia. „Der Markt für moderne Kunst muss sich in Richtung reinen Online-Handels entwickeln. Während zahlreiche Dienste mit Online-Auktionen winken, haben einige europäische Auktionshäuser bereits ihre eigenen reinen Online-Plattformen entwickelt. Der Trend ist riesig. Ziel ist es, das Vakuum zu füllen, das unweigerlich entsteht, wenn aufgrund der erforderlichen Logistik und der hohen Katalogkosten neben den sich ändernden Anforderungen einer neuen Generation von Käufern und Verkäufern zahlreiche Objekte im Auktionssaal nicht mehr angeboten werden können."

Ein offensichtliches Ergebnis dieser Verschiebung ist der Übergang zu exklusiven Online-Vorschauen. Traditionell bieten Kunstauktionshäuser bestimmten ausgewählten Käufern die Möglichkeit, während der sogenannten Sichttage, eine Vorschau der Kunstwerke vor einer Auktion zu erhalten. Im Gegensatz dazu, erhalten Sie online einfach eine E-Mail-Einladung zur jeweiligen Auktionswebsite. Bei Catawiki haben wir im letzten Jahr exklusive Vorschauen in unseren Kategorien Moderne Kunst, Fotografie und Klassische Kunst angeboten. So können die Käufer ganz einfach die Top-Lose im Vorfeld bewerten und müssen nicht erst bei einem Auktionshaus anreisen.

Ein kleiner Junge fotografiert Street Art in New York

A.I. Art und digitale Kunst

A.I. Art (Kunstwerke, die von Computern erstellt werden) stellen die Art und Weise in Frage, wie wir moderne Kunst sammeln und uns mit ihr auseinandersetzen. Dieser Trend wird teilweise durch die Entstehung von Street Art als ernstzunehmender Akteur in der zeitgenössischen Kunstwelt vorangetrieben. Wir müssen nicht nur unsere Definition von Street Art auf dem Weg von der Straße in traditionelle Galerien neu definieren (ein Thema, das in diesem Interview mit dem Street Art Experten Ard Doko angesprochen wurde), sondern wir stehen auch vor großen Fragen zu Form und Besitz.

„In den nächsten Jahrzehnten werden Drucke immer wichtiger werden, da sich der Marktanteil von Street Art erhöht und A.I. Gemälde immer beliebter werden", erklärt Cécilia. „Das wird die Kultur so verändern, dass wir nicht mehr zu Auktionsausstellungen gehen. Stattdessen werden wir online surfen und Ausstellungen werden zu einem Multi-Modell mit definierten Programmen. Letztendlich bedeutet dies, dass man sich von einfachen Exponaten entfernt und die Experten mehr tun werden, um die Erfahrung der Sammler zu kuratieren."

Die Käuferschicht der Millennials und Generation Z

Blanca Marsal ist fasziniert von der Art und Weise, wie die Millennials und die Generation Z die traditionellen Kunstmärkte verändert haben. „Die Spaltung des Kunstmarktes kann man schon eine ganze Weile verfolgen", erklärt sie. „Vor einem Jahrzehnt war dies noch undenkbar. Der Markt ist vollständig globalisiert. Kunst wurde immer als geheimnisvoll und etwas Privates angesehen, während sie heute für alle Einkommensgruppen und Altersgruppen viel zugänglicher ist."

Ein aktueller Bericht über die Trends im Markt für moderne Kunst bestätigt den Eindruck von Blanca. Der Bericht ergab, dass 23% der jungen Sammler ihr erstes Kunstwerk online gekauft haben und 29% der Sammler es vorziehen, Kunst online zu kaufen, anstatt in einem physischen Raum, wie beispielsweise einer Galerie oder auf einer Kunstmesse. Auktionshäuser müssen sich verändern und an die Bedürfnisse neuer Generationen anpassen.

Cécilia erklärt es: „Für Millennials eröffnen die neuen Technologien neue Wege, um Kunst zu erleben und zu kaufen. Infolgedessen entstehen immer wieder neue Geschäftsmodelle wie Auktions-Dienste, Online-Plattformen, usw. Darüber hinaus bieten Kunstauktionen, Messen und Museen immer mehr Programme und Veranstaltungen, die sich speziell an junge Sammler richten."

Die Art und Weise, wie wir Kunst machen und mit ihr handeln, findet online statt

Künstler vermarkten sich selbst

Auch die Zusammensetzung der Menschen, die Kunst verkaufen, verändert sich. Wie Bianca sagt: „[Kunstexperten] sehen heute immer mehr junge Künstler, die sich eigenständig präsentieren und ihre Arbeit über Social Media bewerben. Die Vielfalt der Verkäufer hat zu einem klaren, längst überfälligen Trend bei weiblichen und „Nicht-Weißen“-Künstlern geführt. Auch klassische Kunstmuseen holen diesen Trend auf, wie das Prado mit der Ausstellung zu zwei Künstlerinnen aus dem 16. Jahrhundert beweist."

Anita Helmy, selbst Künstlerin, hat einen klaren Blick auf beide Seiten dieser Beziehung, einschließlich der Vorteile, die die Künstler heute für sich nutzen. „Wir haben viele Künstler, die es vorziehen, ihre Werke in Eigenregie online zu verkaufen. Auf diese Weise haben sie mehr Kontrolle über die Art und Weise wie ihre Arbeit bewertet und beworben wird. Viel mehr als es bei einer traditionellen Galerie der Fall wäre. Ein gutes Beispiel dafür ist Andrea Giorgi. Er begann zunächst damit, offene bzw. große Auflagen zu verkaufen. [Catawiki] besprach dann mit ihm daraufhin, dass es besser sei, die Auflage zu senken und sie spezieller zu gestalten. Inzwischen werden jährlich Auktionen von ihm angeboten, in denen er ausschließlich limitierte Werke verkauft.“

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Die Catawiki Herbst 2019 Kunstsammlung ist online und kann jetzt besichtigt werden. Die exklusive Moderne Kunst-Auktion, Fotografie-Auktion und Klassische Kunst- Auktionen sind vom 20. bis 29. September für Ihre Gebote geöffnet.


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