Interviews

Wie geht es weiter mit dem Whisky-Markt?

Welche Whiskys liegen im Trend und von welchen sollte man vorerst besser Abstand halten? Mit seiner Leidenschaft für das Sammeln und mit über 20 Jahren Erfahrung, ist unser Whisky-Experte Jeroen Koetsier der perfekte Mann, der uns erklären kann, was aktuell auf dem Whisky-Markt los ist. Zudem hat er ein paar hilfreiche Ratschläge für neue Sammler parat.

Hi Jeroen. Welche Trends siehst du aktuell im Whisky-Markt?

Jeroen: Vor allem sehen wir, dass die japanischen und irischen Brennereien auf dem Markt immer beliebter werden. Japanische Marken wie Chichibu und Hanyu stellen jeden Monat neue Rekorde auf. Nicht nur die Auktionserlöse überschlagen sich, sondern auch die Verkaufspreise für neue Sorten steigen stetig. Die irische Brennereien profitieren von unabhängigen Abfüllern, die in den letzten fünf Jahren viele irische Whiskys von hoher Qualität abgefüllt haben. Dies hat zu einer höheren Nachfrage nach irischen Abfüllungen geführt. 

Aber auch der Fokus hat sich verschoben. Früher waren die Brennereien vor allem darauf ausgerichtet, die bestmögliche Whisky-Qualität zu erzielen. Heute steht die Vermarktung, Präsentation und Verpackung deutlich mehr im Mittelpunkt. Begünstigt wird dieser Umstand für die Brennereien dadurch, dass sie derzeit nicht genügend gut gereifte Fässer in ihren Lagern haben. Anstelle des zum Beispiel „12 Jahre alten Single Malt", der jahrzehntelang fester Bestandteil des Portfolios der Brennereien war, verkaufen viele sogenannten NAS-Whisky (no age statement). 

Auch bei der Nachfrage gibt es große Änderungen. Viele sind nicht auf der Suche nach dem perfekten Genuss: vier von fünf neuen Sammlern suchen neue Anlagemöglichkeiten, viele trinken nicht einmal Whisky.

Der Biermarkt war in den letzten Jahre geprägt von kleinen handwerklichen Bierbrauereien und Craft-Bier. Kannst du so eine Entwicklung auch auf dem Whisky-Markt feststellen? Also eine Zunahme von kleinen, handwerklichen Destillerien oder sogar Hausbrennereien?

Jeroen: Beim Whisky ist die Situation etwas anders. Die Herstellung bringt strenge Lizenzbestimmungen mit sich. Außerdem ist das Risiko einer Vergiftung durch eine falsche Herstellung weitaus höher. Zusammen genommen führt dies dazu, dass es viel schwieriger ist, auf dem Gebiet des Whiskys Pionierarbeit zu leisten als beim Bier. Somit sind Whiskys aus privater Herstellung recht selten. Viel mehr konnten wir in den letzten zehn Jahren ein enormes Wachstum an Brennereien beobachten. Jede zweite Woche eröffnet eine Whisky-Destillerie und das nicht nur in den typischen „Whisky-Ländern" wie Großbritannien, den USA und Japan, sondern in fast jedem Land, auf der ganzen Welt. 

Bei diesen vielen neuen Projekten reicht das Angebot von kleinen, Start-Up‘s wie die Dornoch Destillerie und Strathearn bis hin zu Industriegiganten wie Roseisle oder der neuen Macallan Destillerie, die mit einem Budget von 130 Millionen Pfund neu aufgebaut wurde. 

Mit der enormen Zunahme der Hausbrauereien nimmt auch der einzigartige, manchmal fast seltsame und nischenartige Biergeschmack zu. Tritt dieser Trend auch im Whisky-Markt auf?

Jeroen: Grundsätzlich besteht ein Whisky aus wenigen Zutaten, und zwar gemälzte Gerste, Hefe und Wasser. Je nach Herstellung und Kombination ergibt sich daraus eine Vielzahl von Whisky-Aromen, die aber im Vergleich zum Bier sehr konzentriert ist. Nachdem der Whisky den Distillationsapparat verlassen hat, lässt man ihn in Holzfässern reifen. Die verschiedenen Charakteristika eines Whiskys werden also vor allem durch verschiedene Arten von Fässern erzielt. Neben der Reifung in alten Sherry- oder Bourbon-Fässern gibt es Tausende von Experimenten in anderen Fässern und Fassoberflächen. Das reicht von alten Barrique-Fässern, in denen Grand Cru Bordeaux gereift wurde, bis hin zu alten Hering-Fässern.

In den letzten Jahren ist auch das alkoholfreie Bier immer beliebter geworden. Glaubst du, dass es in naher Zukunft eine Nachfrage nach alkoholfreiem Whisky geben wird?

Jeroen: Bestimmt hat irgendjemand irgendwo ein Whisky-Etikett auf ein alkoholfreies Getränk geklebt hat... Aber nein, meines Wissens gibt es keinen Markt für alkoholfreien Whisky. 

Whiskyexperte Jeroen Koetsier glaubt nicht, dass es in naher Zukunft eine Nachfrage nach alkoholfreiem Whisky gibt.

Vielleicht noch eine ganz andere Frage. Kannst du erkennen, dass der Klimawandel Auswirkungen auf den Whisky-Markt haben kann?

Jeroen: Der Klimawandel wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren nur geringe Auswirkungen auf den Whisky-Markt haben. In bestimmten Bereichen reift Whisky durch höhere Temperaturen und/ oder Feuchtigkeit schneller. Viele Brennereien nutzen eine natürliche Wasserquelle für ihre Produkte. Dadurch kann es sicherlich in Einzelfällen dazu kommen, dass einige irgendwann nicht mehr verfügbar sind. Aber natürlich werden die Brennereien auf diese Veränderungen frühzeitig reagieren, weshalb das Thema keine größeren Auswirkungen haben wird. Beim Wein sieht das ganz anders aus. Zukünftig werden viele Weinsorten auf den Bergen irgendwann durch Rebsorten ersetzt werden müssen, die den höheren Temperaturen besser standhalten können. Die Auswirkungen auf den Whisky-Markt würde ich also als gering einschätzen. 

Gibt es Neuerungen oder Entwicklungen auf dem Whisky-Markt, die dich besonders begeistern?

Jeroen: Das klingt ein bisschen wie eine Fangfrage. Mich persönlich begeistert alles, was mit dem Whisky-Markt zu tun hat. Aber eine Entwicklung, die ich im Moment besonders spannend finde, ist, dass derzeit häufig ganze Fässer angeboten werden, die auch von Privatpersonen gekauft werden können. Um ihren Wachstum und den Betrieb zu finanzieren, während die ersten Spirituosen zu Whisky reifen, sind die vielen Start-up-Destillerien stark von frühen Investoren abhängig, So entscheiden sich viele Start-Up‘s, neben dem Verkauf einiger ihrer Fässer, in den ersten Jahren Gin und anderen Spirituosen und Liköre zu verkaufen. 

Unsere letzte Frage, hast du einen Tipp für junge Whisky-Sammler?

Jeroen: Ich empfehle dem beginnenden Sammler, vor allem auf alte Flaschen zu setzen. Flaschen, die fünf bis 30 Jahre alt sind, also nicht das Alter des Whiskys in der Flasche, sondern das Alter des Whiskys seit der Abfüllung. Meine Gründe dafür sind einfach. So ziemlich alle neuen limitierten Auflagen sind mit zumeist 1.000 bis 10.000 Flaschen nicht sehr stark limitiert. Das bedeutet, dass sie zu keinem Zeitpunkt knapp werden dürften, da die meisten dieser Flaschen in Sammlungen landen und kaum eine von ihnen getrunken wird. 

Viele davon sind auch gar nicht wirklich schmackhaft. In der Vergangenheit produzierten die meisten Brennereien bessere Whiskys. Sollte der Markt dann vielleicht mal einen Rückschlag erleiden, dann sollten Sie sich lieber die Flasche aus den 60er und 70er Jahren zu Gemüte führen, als die hübsche Flasche, die Sie letzte Woche bestellt haben und die in einer glänzenden Holzkiste geliefert wurde. 

Und man sollte nicht vergessen, dass viele der neueren Whiskys bereits bei Veröffentlichung sehr teuer sind. Viele Importeure möchten ein möglichst großes Stück vom Kuchen. Eines der größten Argumente für höhere Preise ist, dass Sammler und Investoren den Whisky nach der Veröffentlichung auf dem Sekundärmarkt handeln würden. Aus diesem Grund sind die potenziellen Preiserhöhungen in ihrem Verkaufspreis einkalkuliert, ähnlich wie es auch viele Händler tun. Die Einzigen, die von einer höheren Nachfrage profitieren sollten, sind aber natürlich die Destillerien selbst. Wenn Sie also anfangen, Whisky zu sammeln, gehen Sie am besten davon aus, dass die Hersteller ihre Preise stetig erhöhen werden.

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