Geschichte

Wie der VW-Käfer von der Nazi-Erfindung zur popkulturellen Ikone wurde

Von Simone | 2. August 2019

Und tschüß, Käfer. Am 10. Juli 2019 lief der letzte Volkswagen Käfer vom Band und kann heutzutage nicht mehr offiziell gekauft werden. Ursprünglich entwickelt zu Zeiten des Nazi-Deutschlands, war er in den 60er Jahren das Lieblingsauto der Hippies. Rückblickend betrachtet hat die legendäre Knutschkugel eine bewegende Geschichte hinter sich. Aber wie wurde der Käfer zu der Ikone, die er heute ist? Und was machen wir jetzt, wo es keine neuen Käfer mehr geben wird? Um diese Fragen zu beantworten, steht uns unserer Oldtimer-Experte Jan-Bart Broertjes zur Seite, der uns über die Geschichte, Bedeutung und Zukunft des VW-Käfers informieren wird. Eines möchten wir schonmal vorwegnehmen, er hat auch ein paar beruhigende Worte.

Vom Nationalsozialismus bis hin zum Appel und Ei ...

Der VW-Käfer dürfte der beeindruckendste Fall eines Imagewandels aller Zeiten sein. Für ein Auto, das seine Wurzeln in Nazi-Deutschland hat und während des Zweiten Weltkriegs unter zur Hilfenahme von Zwangsarbeitern hergestellt wurde, hat sich die Wahrnehmung des Autos über die letzten 80 Jahre überraschend gut und positiv entwickelt.

Die Nachfrage nach einen „Volkswagen" entstammte der Deutschen Arbeitsfront, dem Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, in der Zeit des Nationalsozialismus. Um sein neues Straßennetz, die Reichsauotbahn, auszulasten, benötigte Hitler für die Bevölkerung ein billiges und einfaches Familienauto. So eröffnete er 1938 das VW-Werk im heutigen Wolfsburg. Zunächst wurden jedoch nur 210 Käfer gebaut, da Deutschland 1939 in den Krieg eintrat und die Produktion dann auf Militärfahrzeuge verlagerte. 

Dieser verstörende und problematische Anfang hat eine Kehrseite. Der Käufer spielte eine wichtige Rolle für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Design des Autos stammte jedoch aus einer Zeit lange vor den Nazis. Es stammt ursprünglich von Béla Barényi aus dem Jahr 1925, 12 Jahre vor der Gründung von Volkswagen, und nicht von Ferdinand Porsche, der die Idee für das Auto von sich und Hitler beanspruchte. 

Volkswagen-Hauptwerk, Wolfsburg, Juli 1951.

Es gleicht einem kleinen Wunder, dass sich Volkswagen nach dem Krieg über Wasser halten konnte, obwohl das Land in Trümmern lag. Unmittelbar nach dem Krieg wurde der Vorstand des Unternehmens mit dem britischen Offizier Major Ivan Hirst und seinem Assistenten Heinrich Nordhoff, einem ehemaligen Opel-Manager, besetzt. Sie stabilisierten die soziale Situation und stellten die Produktion wieder her. Bis 1946 stellte das Werk 1.000 Autos pro Monat her. Zur damaligen Zeit eine beeindruckende Leistung, vor allem wenn man berücksichtigt, dass die Arbeit aufgrund von Dach- und Fensterschäden bei Regen immer wieder eingestellt werden musste. 

In den Jahren nach dem Krieg wurde das Unternehmen sozusagen für „nen Appel und ein Ei“ zum Verkauf angeboten. Jeder, einschließlich Vertreter der amerikanischen, australischen, britischen und französischen Automobilindustrie, hätte neuer Eigentümer werden können. Die Suche nach einem Käufer war jedoch vergebens, weshalb Heinrich Nordhoff, nach Hirsts Abgang, die Leitung übernahm.

...und vom Erfolg bis zur Schließung

In den 1960er Jahren war der VW-Käfer auf dem Höhepunkt seines Erfolgs angekommen. Mit seinem eigenwilligen Design und dem erschwinglichen Preis war das Auto bei der jungen Generation sehr beliebt, vor allem in den USA. Der Wagen wurde zum Auto der Außenseiter und Ausgestoßenen und seine eigenwillige Ästhetik wurde mehr und mehr Teil der Popkultur. Zu sehen war er zum Beispiel im Film Ein toller Käfer (1968) und im Hintergrund des Albumcovers von Abbey Road von den Beatles (1969). 

Die ersten Käfer Cabriolets erschienen 1949. "Karmann aus Osnabrück entwarf eine Viersitzer-Version und produzierte viele Jahre lang den offenen Käfer", sagt Jan-Bart. „Außerdem wurde die Firma [Karosseriebauer] Hebmüller aus Wuppertal gebeten, eine sportliche Version [des VW-Käfers] zu entwickeln und entwarf einen 2+2; einen Zweisitzer mit zwei Notsitzen auf der Rückbank." 

Den Käfer von Hebmüller erkennt man sofort an seinem fließenden Heck und laut Jan-Bart ist er der schönste von allen: „Mit dem verstauten Cabrioverdeck ist das Auto eine wahre Schönheit, wohl der schönste Käfer von allen. Dennoch wurden zwischen 1949 und 1954 nur 696 Hebmüller Cabriolets produziert. Ein solches Modell ist heutzutage im Grunde nicht mehr zu bekommen, was ihn zum begehrenswertesten Käfer von allen macht."


Original Volkswagen Käfer Typ 14A Hebmüller von 1950. Einer von nur 659 Exemplaren.

Leider verlor der Käfer zum Ende der 60er Jahre an Popularität, der Wettbewerb nahm zu und die Verkäufe brachen ein. Die Produktion lief jahrelang weiter, allerdings in wesentlich kleineren Stückzahlen. Im Jahr 2003 wurde die Produktion schließlich vollständig eingestellt.

„Der originale Käfer wird seit 2003 nicht mehr gebaut. Allerdings war er so beliebt, dass Volkswagen 1997 eine Retro-Version, bekannt als New Beetle, herausbrachte. Diese wurden in Pueblo, Mexiko, hergestellt, wo der Käfer bereits seit 1955 gebaut wird", erklärt Jan-Bart. „Für die Mitarbeiter in Mexiko, war es ein trauriger Moment als der letzte Käfer vom Band lief." Der Käfer wurde fast länger als jedes andere Auto auf dem Markt angeboten und ist das am längsten gebaute und meistverkaufte Auto aller Zeiten. 

„Über 22 Millionen wurden hergestellt und viele sind bei Oldtimer-Liebhabern heiß begehrt. Frühe Käfer sind sehr begehrt und können hohe Preise erzielen. Die Cabrioversionen gehören dabei zu den seltensten."

Also.... was jetzt?

Nun, da der Käfer bereits einmal wiederbelebt wurde, was wird die Zukunft bringen? Es gibt einige Gerüchte, dass der kleine Käfer als Elektroauto wiederbelebt werden soll. Ähnlich wie VW uns auch mit einer Elektroversion des klassischen VW T1 Bulli auf die Folter spannt. Der US-Vorstandsvorsitzender von VW, Hinrich Woebcken, schloss ein solches Projekt jedoch nicht expliziert aus: „Ich würde sagen: sag niemals nie“.  

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