Geschichte

Die ganze Geschichte von Moto Guzzi

Von Simone | 8. März 2021

Im Laufe der Jahre hat sich dieses Unternehmen zu einem der renommiertesten Motorradhersteller entwickelt, wurde durch seine großartigen Leistungen im Motorradrennsport berühmt ist und hat vor allem die Herzen vieler Motorradfahrer auf der ganzen Welt erobert. Wir sprechen natürlich von Moto Guzzi, Europas ältestem Motorradhersteller, der seine Motorräder bereits seit 1921 produziert. Der Motorradexperte Davide Marelli nimmt uns mit auf eine Reise durch die Geschichte des Unternehmens.

Eine rationale Erklärung dafür, was Moto Guzzi von der Konkurrenz unterscheidet, ist schwer zu finden. Moto Guzzi hat etwas, das der Konkurrenz fehlt: eine Seele. Die Macher von Moto Guzzi sind schon immer Vollprofis gewesen und das im Guten wie im Schlechten. Irgendwie gelingt es ihnen immer wieder, „lebendige" Motorräder zu kreieren, die vielleicht nicht perfekt, aber ganz sicher liebenswert sind.

Gründung

Das Unternehmen Moto Guzzi wurde am 15. März 1921 in Genua, mit Sitz in Mandello del Lario, gegründet. Die Gründer waren der Reeder Emanuele Vittorio Parodi, dessen Sohn und Militärflieger Giorgio und der Mechaniker Carlo Guzzi. Die Begeisterung für die Pläne von Guzzi und Giorgio seitens Emanuele Parodi war zunächst verhalten. Als jedoch einer seiner Freunde den ersten Prototyp der beiden wie folgt kommentierte: "Wenn du es nicht tust, werde ich es bauen", waren auf einmal alle Zweifel wie weggeblasen.

Das Logo, ein Adler mit gespreizten Flügeln, ist eine Hommage an die Miraglia-Staffel der Regia Aviazione (die italienische Luftwaffe) und an den Freund und ehemaligen Kameraden von Giorgio Parodi und Carlo Guzzi, Giovanni Ravelli. Dieser verstarb bei einem Testflug am 11. August 1919. Die drei wurden Freunde, als sie derselben Fliegerstaffel, außerhalb von Venedig, zugeordnet wurden. Nach dem Krieg entwickelten sie gemeinsam eine Vision zur Gründung einer Motorradfirma; mit Guzzi als Ingenieur, dem wohlhabenden Parodi als Finanzier und Ravelli als Promoter, weil er bereits ein berühmter Pilot und Motorradrennfahrer war.

SEIMM (1967-1973)

1963, unmittelbar nach dem Tod des Gründers Carlo Guzzi, wurde der Motorradmarkt von einer schweren Krise getroffen und das Unternehmen geriet unter starken finanziellen Druck. Nach einer kurzen Zeit (1963-1967) unter der Leitung von Enrico Parodi (dem Bruder von Giorgio) wurde eine neue Gesellschaft unter staatlicher Leitung namens SEIMM gegründet, die von nun an die Geschicke von Moto Guzzi führte. Dennoch war diese Zeit recht produktiv. 1965 entwarf der Ingenieur Giulio Cesare Carcano den 90 Grad V2 Motor mit 700 cm³. Weitere Entwicklungen waren die V7, die 1968 veröffentlicht wurde, und die berühmte V7 Sport 750 cm³ aus dem Jahr 1971, welche mit dem Rahmendesign von Lino Tonti zu einem neuen Meilenstein und Symbol von Moto Guzzi wurde.

1973 übernahm Alejandro De Tomaso (1973-2000), ein argentinischer Geschäftsmann und Eigentümer von Benelli aus Pesaro, das Unternehmen. Sein Managementstil war umstritten, aber offensichtlich sehr erfolgreich. Zu dieser Zeit kamen nämlich einige legendäre Motorräder auf den Markt, darunter die 850 Le Mans, eine Weiterentwicklung der V7 Sport, die 750 S und die 750 S3 mit Dreischeibenbremse. Bei all diesen Motorrädern wurden Rahmen eingesetzt, die auf den originalen Entwürfen von Lino Tonti basieren.

Aprilia (2000-2004)

Im Jahr 2000 stand erneut ein Eigentümerwechsel an. Ivano Beggio von Aprilia übernahm Moto Guzzi für satte 65 Millionen Dollar. Beggio erklärte dazu, dass er als "Guzzista" geboren wurde und es sein großes Ziel war, an der Spitze einer solch historischen Marke zu stehen. Diese Übernahme sah vor, dass lediglich die technologischen Fähigkeiten und finanziellen Ressourcen von Aprilia im neuen Unternehmen geteilt werden sollten und der Hauptsitz von Moto Guzzi in Mandello del Lario beibehalten werden sollte. Leider jedoch geriet Aprilia selbst finanziell ins Stolpern. Letztendlich gelang es Aprilia dennoch, die Fabrik in Mandello zu modernisieren.

Piaggio (2004 - bis heute)

Im Jahr 2004 wurde Aprilia wiederrum von Piaggio übernommen. Unabhängig von den geschäftlichen Turbulenzen wurde der V-Motor im Laufe der Jahre weiterentwickelt und bildet nach wie vor das Rückgrat der Guzzi-Produktion. Der Hubraum stieg auf 1400 cm³ an und die 4-Ventilköpfe wurden als Standard etabliert.

Bemerkenswerte Modelle

Nach dem ersten GP500 Prototyp mit vier Ventilen, kam 1921 die Guzzi Parodi, das erste Serienmotorrad von Moto Guzzi, auf den Markt. Die erste offizielle Moto Guzzi trägt den Namen „Normale“, wobei diese Maschine mit ihrem innovativen, robusten und zuverlässigen Design und der Leistung alles andere als normal war. Vor allem im Vergleich zu den anderen Motorrädern der stürmischen 1920er Jahre.

In den späten 40er Jahren entwickelte das Unternehmen einen Zweitaktmotor. Die leichte Guzzino 65 cm³ mit drei Gängen und später die Cardellino 73 cm³ wurden während der Umbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg zum Bestseller. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sie kostengünstig in der Wartung waren und in der Regel die für italienische Familien einzigen verfügbaren Fahrzeuge waren. Man kann sagen, dass die Guzzino gemeinsam mit der Vespa und Lambretta massiv am Wiederaufbau Italiens beteiligt war.

Moto Guzzis berühmtester Einzylindermotor steckt in der Falcone 500. Das Motorrad wurde 1950 entwickelt und verfügte über einen innovativen vorderen Stoßdämpfer: der nie zuvor dagewesenen Upside-down-Gabel.

Moto Guzzi ist ein Pionier in der Motorradwelt. Das Unternehmen entwickelte viele Innovationen, darunter den Mittelständer und den revolutionären elastischen Rahmen, der erstmals bei der GT500 Norge eingesetzt wurde. Darüber hinaus hat das Unternehmen Modelle speziell für das Militär und die Polizei entwickelt.

Ein weiteres berühmtes und beliebtes Fahrzeug war die Galetto (2xL 2xT). Hergestellt im Jahr 1950 verfügt dieser Hybrid aus Roller und Motorrad über einen Viertaktmotor mit horizontalen Zylindern, ein Ersatzrad und einen größeren Hubraum als die heutigen Zweitakt-Motorroller. Sie hatte genug Leistung für zwei Personen plus Gepäck und man konnte problemlos längere Strecken auf ihr zurücklegen.

1955 kam die Moto Guzzi 500 V8 auf die Rennstrecke und war damit das einzige Rennmotorrad mit acht Zylindern, das je an Rennen teilgenommen hat. Diese Maschine ist auch heute noch eine einzigartige technische Entwicklung: Niemand zuvor hat jemals versucht, einen solchen Motor in ein Fahrgestellt eines Rennmotorrads zu verbauen. Bereits 1957, noch zu Beginn der Entwicklung, war das Motorrad in der Lage, die beeindruckende Leistung von 75 PS zu erbringen. Und der Sound dazu war mindestens genauso unglaublich!   

Sportliche Erfolge

1935 gewann Stanley Woods mit Moto Guzzi die Tourist Trophy der Isle of Man. 1937 war der erste nicht-britische Pilot beim berühmten Bergrennen Omobono Tenni auf einer 250er erfolgreich. Bei der Motorradweltmeisterschaft erbrachte Moto Guzzi immer wieder bemerkenswerte Erfolge und das bis 1957. Das war das Jahr, in dem Guzzi zusammen mit Gilera und Mondial die Rennmeisterschaft verließ. Der Grund für diese Entscheidung war ein Konflikt mit der FIM, die das Verbot der Vollverkleidung von Motorrädern durchsetzte.

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