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Im Rampenlicht: Wie Online-Auktionen die Streetart verändern

Von Beulah | 21. Mai 2019

Ist es noch Streetart, wenn sie online verkauft wird? Haben Online-Auktionen die Selbstvermarktung von Streetart-Künstlern verändert? Oder wird das Internet den Künstlern helfen, ihre Anonymität zu wahren? Diese großen Fragen haben wir unserem Experten Ard Doko gestellt.

Hi Ard! Fangen wir mit der offensichtlichsten Frage an: „Wie kann man eine Arbeit noch Streetart nennen, wenn sie online angeboten wird?

Ard: „Die Streetart-Bewegung besteht aus Straßenkünstlern und Graffitikünstlern, zwei sehr einzigartigen und unterschiedlichen Gruppen. In der Streetart werden verschiedene Methoden (wie Sprühfarben, Wheatpasting, Schablonen, Skulpturen, Hacking und Guerilla Knitting) verwendet und Graffiti wird eher als eine kulturelle Bewegung verstanden. Allerdings muss es einen Namen geben, der alles in sich vereint.

Ich persönlich bevorzuge „Urban Art“ und denke, dass sich „zeitgenössische Kunst von Straßenkünstlern für kommerzielle Zwecke“ auf Dauer nicht durchsetzen würde. Im Wesentlichen dreht es sich um Kunst, die von Menschen geschaffen wird, die Kunstwerke im öffentlichen Raum erstellen und wir können uns glücklich schätzen, einige Werke dieser Künstler besitzen zu können.“

Ard Doko - Ohne Titel - Big Picture Festival Illinois, USA 2018

Interessant! Also kann die Streetart problemlos aus den Galerien geholt werden und auch online angeboten werden. Aber welche Auswirkungen, falls überhaupt, hat diese Möglichkeit auf die Künstler?

Ard: „In gewisser Weise wurden alle Kunstformen durch das Internet beeinflusst, doch die Urban Art ganz besonders. In der heutigen Zeit ist es für junge Künstler schwer, in einer Galerie ausgestellt zu werden. Entweder braucht man eine riesige Menge an Talent oder man hat gute Kontakte, die einem die Tür zu diesen Orten öffnen.

Viele der urbanen Künstler konzentrieren sich aber vor allem auf das Erschaffen von Kunstwerken und denken nicht über ihre kommerziellen Möglichkeiten nach bzw. wollen einfach anonym bleiben. Genau dabei kann eine Online-Plattform helfen. Diese gibt den Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke auch ohne gute Kontakte in die Kunstwelt zu verkaufen. Gleichzeitig können sie ihre Anonymität wahren und letztendlich die volle Kontrolle über ihr eigenes Geschäft behalten. In gewisser Weise sind Künstler keine Künstler mehr. Sie werden zu einer Marke und wenn Sie erfolgreich sein und ein breites Publikum erreichen wollen, müssen sie das Internet für sich nutzen.


Ard Doko - Between Pain and Pleasure

Hast du eine andere Sicht auf den Handel und das Sammeln von Street Art bekommen, seitdem du Auktionen zusammenstellst?

Ard: „Auch aus Käufersicht haben sich die Dinge verändert. Eventuelle Berührungsängste sind bei Online-Auktionen nicht mehr vorhanden. Unter Umständen kann es manchmal etwas unangenehm sein, eine Galerie zu besuchen und direkt vor Ort eine Kaufentscheidung treffen zu müssen. Und dann trifft man dort auf einen Galeristen, der die Arbeiten verkaufen möchte und einen vielleicht nicht in Ruhe stöbern lässt. Erfahrene Galeristen werden selbstverständlich niemandem zu Nahe treten, aber Käufer könnten sich dennoch unter Druck gesetzt fühlen. Es ist auch einfacher für sie, ein Kunstwerk eines Künstlers zu kaufen, dessen Werke sie auf der Straße gesehen haben. Ich glaube, dass die Mischung aus Online- und Offlinehandel, Ausstellungen und Interaktionen der Schlüssel für einen Künstler zu einem erfolgreichen und regelmäßigen Einkommen sind.

Ich kaufe Kunst und verkaufe meine eigenen Werke seit zehn Jahren in Galerien und Online-Galerien. Die wichtigste Erkenntnis, die ich daraus gewonnen habe: der Online-Kunstmarkt entwickelt sich in die richtige Richtung. Vor zehn Jahren gab es auch schon Online-Auktionen, aber viele von ihnen scheiterten an dem geringen Traffic, den die Webseiten hatten.

Damals konnte sich eigentlich nur street-art.nl halten und das vor allem, weil diese Seite ein anderes Konzept verfolgte. Sie luden jeden Monat einen Künstler ein, um ein kleines Kunstwerk (zumeist in einer Auflage von 10 Werken) zu schaffen und das verkauften sie dann auf der Plattform. Aufgrund der exklusiven Auflage für die Auktion, war fast jeder Künstler auf dieser Webseite innerhalb weniger Stunden ausverkauft.

Eine Plattform wie Catawiki hat für seine Käufer und Verkäufer ein deutlich vielfältigeres Angebot. Außerdem zahlen Künstler eine Kommission von lediglich 12,5% statt der üblichen 50% in Galerien, das verändert alles. Für Käufer ist es günstiger, Kunstwerke zu kaufen und die Künstler haben für gewöhnlich mehr Geld als früher. Es gibt einige Künstler, die eine Art „Serienproduktion" kreieren, um einen stabilen Online-Umsatz zu generieren, während sie gleichzeitig genügend Zeit haben, sich auf größere Projekte/Kunstwerke für Shows zu konzentrieren.“  


Ard Doko - I don't need to tattoo your name, I've got scars to prove that I loved you

Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft für Streetart in Online-Auktionen aus?

Ard: „Meine Prognose für die Zukunft ist, dass wir eine neue Generation von Straßenkünstlern sehen werden, die ihre Arbeiten ausschließlich über Online-Kanäle verkaufen werden. Das kann über Catawiki sein, aber auch via Social Media. Es würde mich nicht überraschen, wenn Instagram und Facebook ein solches System in 4 bis 5 Jahren implementieren würden. Auch Künstler, die es noch nicht in die erste Liga geschafft haben, werden sich von der hohen Provision und den Galerien abwenden.

Damit würde die Urban Art zu ihren Wurzeln zurückkehren. Autark, eine gewisse Do It Yourself-Mentalität, welche alle Künstler, die sich auf der Straße tummeln, miteinander teilen. Das bedeutet auch, dass es einen Großteil von Künstlern geben wird, die sich Urban Artists nennen, aber nicht auf der Straße arbeiten. Klingt ein bisschen seltsam, aber wahre Kunstliebhaber werden diese Leute durchschauen.“

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Die jüngste Auktion von Ard (Between Pain and Pleasure) wird vom 25. Mai bis zum 6. Juli 2019 von der GO Gallery veranstaltet. Wenn Sie Ihre Streetart-Sammlung erweitern möchten, besuchen Sie unbedingt unsere wöchentlichen Street Art-Auktionen.

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